Warum bist du vegan?

Bei einem netten Gespräch im Front Food kürzlich haben wir über die Motivation für Veganismus gesprochen, ein Thema, über das ich beim wöchentlichen Infotisch natürlich öfter mit aufgeschlossenen PassantInnen spreche, die vegan teilweise selbst schon kennen und oder ausprobieren.

Nicht jede/r hat die gleichen Gründe für eine Ernährungsumstellung – manche möchten die Umwelt und das Klima schützen, das durch die Massentierhaltung und deren direkten Konsequenzen stark gefährdet wird, andere lieg das Wohl und die Rechte der Tiere am Herzen, von denen die Mehrheit in schlechter, unnatürlicher Haltung unter ständigem Stress und Depression leidet, wieder andere wollen auf ihre Gesundheit achten. All das sind gute Gründe und bei vielen mir bekannten Menschen spielen alle Gründe bei der Entscheidung mit, da es ja auch Zusammenhänge dazwischen gibt.

Es gibt durch die steigende Nachfrage und Interesse an dem Thema auch eine steigende Anzahl an veganen Produkten, auch in „normalen“ Supermärkten. Es gibt tatsächlich einen großen Trend in Richtung Veganismus. Worauf mensch aber achten muss, ist, dass dieser auch aufrecht erhalten werden soll, da Trends alleine dazu neigen, nach einer Weile zurückzugehen. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Veganismus-Gedanken mit Tierrechtstätigkeit und Umweltschutzbewusstsein zu stützen, um die Offenheit und Bereitschaft für vegane Ernährung zu stärken.

Reine Gesundheits-Veganer, oder wie sie von manchen kritischen Menschen auch genannt werden „Trend-Veganer“ oder „Yoga-Veganer“, sind nicht zwingend egoistisch handelnde Menschen, nur weil Gesundheit ihnen am Herzen liegt. Doch die eigene Gesundheit ist jedem selbst überlassen, dabei hat mensch keine Verantwortung gegenüber irgendwem anderen außer sich selbst.

Den Tieren ist es selbstverständlich egal, welchen Grund ein Mensch hat, keinen Auftrag zu geben, sie zu töten oder zu quälen. Von Beispielen aus Bekanntenkreisen, sehe ich aber immer wieder, dass Menschen, die prinzipiell gerne gesund leben wollen (und sich daher pflanzlich ernähren), von dem Lifestyle aber auch gerne einmal Pausen einnehmen wollen oder sich irgendwann ganz davon trennen – denn es gibt ja sonst keinen Grund, der sie zu einer veganen Lebensweise motivieren sollte.

Von gesundheitlicher Perspektive ist es sogar möglich mit geringen Mengen an Tierprodukten ausgewogen zu leben. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass Veganismus in irgendeiner Weise ungesund wäre – ganz im Gegenteil! Der Mensch kommt ohne Tierprodukte sehr gut zurecht, im Alltag sowie bei sportlichen Höchstleistungen, trotz unserer evolutionär erworbenen Fähigkeit, uns omnivor zu ernähren. Ich würde niemandem, der/die sich aus gesundheitlichen Gründen für Veganismus interessiert, sagen, „Du liegst falsch“, aber ich möchte in solchen Fällen auch daran erinnern, welche positiven Auswirkungen Veganismus auf unsere Mitlebewesen und Mitwelt hat, damit die Motivation länger (immer) erhalten bleibt.
Gesundheit ist kein ausreichendes Argument für Veganismus, aber die Rechte der Tiere, Schutz gefährdeter Wildtierarten, sowie Umwelt- und Klimaschutz sind es.

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Ökologische Pflegeeinsätze

Kürzlich (im September – also eigentlich schon länger her) hatte ich die Gelegenheit, bei einem Pflegeeinsatz vom Naturschutzbund Niederösterreich an der Thermenlinie mitzuwirken. Vom Naturschutzbund aufgekaufte Flächen, die beispielsweise früher zum Weinanbau genutzt wurden oder auch beweidet werden, müssen auch gepflegt werden, um diese zu erhalten.
Nach der Nutzung sind die ehemaligen Weingärten verbracht und konnten teilweise geschützte, angepasste Tier- und Pflanzenarten beherbergen, die sich erst durch die Nutzung ansiedeln konnten. Es klingt daher auch sinnvoll, die betroffenen Flächen nach der Nutzung weiterhin zu pflegen, um ansonsten vom Verschwinden bedrohte Arten zu erhalten, oder?

Die Antwort hängt auch vom jeweiligen Blickwinkel ab – Klimaschutz, Artenschutz, Tierschutz…

Da der CO2 Ausstoß unserer Gesellschaft größten Teils aufgrund von Massentierhaltung, Abbau fossiler Brennstoffe und Industrie ständig steigt, kommt der Erhaltung der CO2 Speicher unserer Umwelt immer wichtigere Bedeutung zu – die Wälder. Je nach Baumarten und Waldtyp sind Wälder in der Lage große Mengen an CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen. Ohne Wälder wäre die CO2 Konzentration in der Atmosphäre um ein Vielfaches höher.

Aufgrund dessen stellte sich mir während der Arbeit die Frage, ob es nicht aus diesem Grund sinnvoller wäre, die gekauften Pflegeflächen in ihren ursprünglichen Zustand als Wald zurückkehren zu lassen und die natürliche Sukzession nicht mehr zu unterbrechen.

Es stimmt, wir müssen Verantwortung gegenüber dem Klimawandel übernehmen. Doch selbst wenn wir einige Flächen verwalden ließen, wäre das Problem Klimawandel dadurch noch nicht beseitigt. Die Belastung für Klima und Umwelt durch die oben genannten Faktoren wären nach wie vor gegeben, solange mensch das Problem nicht an der Wurzel packt. Es ist sehr fraglich, ob ein bisschen mehr Wald dem steigenden CO2 Ausstoß entgegenwirken kann. Zudem ist CO2 nicht das einzige durch Menschen verursachte Klimagas, hinzu kommen auch beispielsweise Methan und Lachgas, die eine Erwärmung des Klimas fördern und durch einen „positive feedback loop“ durch die Erwärmung in einer noch größeren Freisetzung der Klimagase resultiert, die wiederum die Erwärmung fördern.

Die Verantwortung gegenüber unseren Mitlebewesen und Mitwelt ist aber neben jener über die Erderwärmung ebenfalls vorhanden. Aufgrund der Nutzung durch den Menschen konnten sich viele Arten erst in den Flächen richtig etablieren und ausbreiten. Aus dem Blickwinkel des Artenschutzes wäre es also verantwortungslos, alle Flächen sich plötzlich wieder selbst zu überlassen. Beispielsweise könnten viele Heuschrecken- und Tagfalterarten so gänzlich verschwinden. Auch die stark gefährdeten Ziesel hätten an manchen Standorten keine Chance sich zu erhalten, gäbe es dort gar keine Pflegemaßnahmen mehr.

Die ökologischen Störungen, die durch die Pflege der Flächen aber zustande kommen, dienen dem Erhalt der Artenpopulation dort.

Die Arten würden durch ein Unterlassen der Pflegemaßnahmen selbstverständlich nicht auf brutale Weise ausgerottet, so wie das bei Regenwaldrodungen für den Anbau von Tierfutter oder durch den kommerziellen Fischfang der Fall ist, sondern würden nur langsam verschwinden, da sich der Lebensraum langsam verändern würde. Insofern wäre es aus der Sicht des Tierschutzes nicht unethisch, die Pflege nicht fortzusetzen.

Auch Ästhetische Ansprüche und der Erholungswert sind für die meisten Menschen wichtig, die die vielfältige Landschaft, in diesem Fall sekundären Lebensraum, genießen möchten und Zeit in der Natur verbringen wollen. Und als Bewusstseinsbildung für die Verantwortung, die wir haben, ist auch das ein Grund, weshalb Pflegeeinsätze sinnvoll sein können. Dabei können diese Ansprüche natürlich sehr stark individuell variieren; ich persönlich bevorzuge ursprüngliche oder zumindest sehr naturnahe, weite Wälder stark vor Kulturlandschaft. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht allein nach dem eigenen Interesse zu entscheiden, sondern das der Gesellschaft, Umwelt und das der Tiere miteinzubeziehen.

Zusammengefasst gibt es bei Erhaltungsmaßnahmen, aber sicher auch bei ökologischen Restaurierungs-Maßnahmen immer verschiedene Perspektiven, die zu bedenken sind und die zu der ökologisch sinnvollsten und ethisch vertretbarsten Lösung führen sollen.