Gatterjagd in Österreich aus dem Blickwinkel des Tier- und Naturschutzes

Tierschutzaffine Menschen haben den Begriff Gatterjagd, die manch einem wohl eher als Canned Hunting, wie beispielsweise in Südafrika bekannt vorkommt, oftmals schon gehört. Beim Canned Hunting werden sehr oft eingezäunte und dafür gezüchtete Tiere von zahlenden und oft angereisten Jagdgästen geschossen, um dann als Trophäe mitgenommen zu werden. Vier Pfoten setzt sich beispielsweise gegen diese unsportliche und grausame Touristenattraktion ein. Ein Fall, der weltweit bekannt wurde, drehte sich um einen Zahnarzt, der in seinem Urlaub einen beliebten Löwen schoss, was von einem großen Aufschrei tierlieber Menschen gefolgt wurde.

Was viele aber nicht wissen ist, dass es Gatterjagd auch in Österreich gibt. Die Motivation dafür sind wie in Südafrika die zahlenden Jagdgäste, PolitikerInnen, Lobbyisten und andere vermögende Menschen. Die Gatterjagd wird nicht in allen Bundesländern ausgeübt, sondern nur im Burgenland, Niederösterreich, Wien und Salzburg – das liegt vor allem daran, dass Jagd Ländersache ist und daher jedes Bundesland ein eigenes Jagdgesetz hat.

Zuchtgatter gibt es in allen Bundesländern, wobei sich diese in Niederösterreich innerhalb von Jagdgattern befinden können. Auch das Aussetzen von gezüchtetem Federwild vor der Jagd ist in vielen Bundesländern erlaubt.
Zusätzlich gibt es auch eine Unterscheidung zwischen Jagdgattern und reinen Fleischgattern. Letztere gibt es auch in Bundesländern, in denen Gatterjagd nicht erlaubt ist und sie dienen zur Fleischversorgung, anders als die Tiere, die während einer Gatterjagd sterben. Durch den Stress, den sie durch die Jagd erleben, ist das Fleisch ohnehin unbrauchbar.

Während sowohl von Seiten des Tier- und Naturschutzes als auch von Seiten der Jäger gerne aus einem ökologischen Blickwinkel für bzw. gegen Jagd argumentiert wird, fällt es aus dieser Sicht wesentlich schwerer, pro  Gatterjagd und Jagd auf gezüchtete Tiere zu argumentieren – denn die Tiere leben eingezäunt und nur für die Jagd. Auf das Waldökosystem außerhalb haben diese Tiere keinen Einfluss. Da sie gefüttert werden, können sie erfolgreich viele Jungtiere großziehen und aufgrund ihrer großen Zahl können sie erheblichen Verbissschaden an Bäumen im eingezäunten Gebiet verursachen. Auch das Aussetzen von Vögeln zur Jagd dient weder einer Regulierung des Bestandes noch dem Schutz des Waldes, sondern rein zur Erhöhung des Jagderfolges.

Aus tierethischer Sicht allein ist die Gatterjagd zweifelsfrei abzulehnen – die während der Jagd gehetzten Tiere, versuchen panisch zu flüchten, können jedoch den Zaun nicht überwinden und rennen daher in Todesangst am Zaun hin und her oder springen dagegen und verletzen sich daran, wie vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) auch dokumentiert wurde.
Bei der Jagd auf ausgesetztes Federwild handelt es sich ebenso um eine sehr tierschutzfeindliche Praxis. Solange die Wachteln und Fasane sich noch in den Volieren befinden, bekommen sie Schnabelsperren, um sich nicht gegenseitig zu verletzen, wie es oft in einer Massentierhaltung passiert. Auch beim Freilassen der Tiere vor der Jagd werden diese Sperren oftmals nicht entfernt. Erst kürzlich wurde ein völlig orientierungsloser Zuchtfasan mit Schnabelsperre vom Wiener Tierschutz Verein (WTV) gerettet.

Betrachtet man die Gatterjagd aus Perspektive des Naturschutzes, ist sie ebenso fragwürdig. Dass der Verbiss an Bäumen durch die im Gatter in großer Zahl vorkommenden Tiere nicht das einzige Problem ist, zeigt das Beispiel eines Jagdgatters von Mayr-Melnhof, das sich inmitten der Antheringer Au, einem Natura 2000 Gebiet, befindet. Eine Vielzahl von Reptilien und Amphibien werden von den Wildschweinen getötet und die teilweise seltenen Vogelarten durch den Jagdlärm gestört.

Seit etwa zwei Jahren gibt es eine intensive Kampagne gegen die Gatterjagd. Ein Großteil der bekannten Informationen über die Gatterjagd und das Aussetzen von Zuchttieren für die Jagd stammt aus der Recherchearbeit des VGT.

Erst wurden Jagdgatter in den betroffenen Bundesländern ausfindig gemacht, woraufhin die Gatterjagden und das Töten der kurz vor der Jagd ausgesetzten Fasane und Enten umfangreich dokumentiert und der Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden. Bei der Recherche fiel sogar auf, dass Tiere in manchen Gattern so sehr an den Menschen gewöhnen, dass sie bereits handzahm geworden sind, wie es vom VGT auch dokumentiert wurde, was die Jagd auf diese Tiere ebenfalls sehr fragwürdig macht. Anschließend häuften sich kritische und kreative Medienaktionen in Wien und anderen Bundesländern, verbunden mit regelmäßigen Infotischen und Demos, bei denen die Öffentlichkeit über die Gatterjagd aufgeklärt wurde.

Zu den medial auffälligeren Aktionen zählt beispielsweise ein Straßentheater, bei dem ein Jagdgatter mit Hochständen in den Landeshauptstädten aufgebaut wurde, in welchem als angeschossene Tiere verkleide AktivistInnen lagen und zwei weitere den Lobbyisten und Gatterjäger Alfons Mensdorff-Pouilly und Pröll darstellten. Bei einer anderen Aktion, den „Gatterjagdawards“ wurde dem Salzburger Gatterjäger Mayer-Melnhof ein steinernes Herz verliehen.

Aber nicht nur durch die vielen spektakulären Aktivitäten wurden Menschen auf die Gatterjagdkampagne aufmerksam, sondern auch durch Anzeigen, die es von beiden Seiten regnet. Nach der Medienaktion, in der Mayr-Melnhof symbolisch ein steinernes Herz verliehen wurde, klagte dieser den VGT – es solle verboten werden, dass der VGT Kritik an seiner Gatterjagd übt. Doch laut dem Urteil des Oberlandesgerichts, sind die VGT Aktionen legitim und dürfen weiterhin ausgeführt werden. Auch der Generalsekretär der Landesjagdverbände, der den VGT als Lügner darstellte und dem Verein vorwarf, ein falsches Bild über die Gatterjagd zu verbreiten, darf das laut Urteil nun nicht mehr behaupten.
Auch seitens VGT wurde beispielsweise mehrmals wegen Tierquälerei angeklagt, in einem Fall, bei dem eine Hetzjagd durch ein Gatter beobachtet wurde, wobei ein Reh in seiner Angst wiederholt gegen das Gatter sprang und sich dabei verletzte. Obwohl das laut österreichischem Tierschutzgesetz klar als Tierquälerei bezeichnet werden kann, war die Anzeige erfolglos. Auch eine Hetzjagd auf Wildschweine im Gatter, veranstaltet von Mayr-Melnhof, wurde aufgrund von Tierquälerei angezeigt, sowie das zu späte Aussetzen von Zuchtfasanen aus Mensdorff-Pouilly Volieren, das zudem auch ein Verstoß gegen das burgenländische Jagdgesetz war.

Dokumentation ist notwendig, um Menschen aufzuklären, ist aber für die JägerInnen unerwünscht.
Obwohl die Dokumentation legal von öffentlichen Wegen aus stattgefunden hat, kam es auch zu Übergriffen von Seiten der JägerInnen, die meistens verbal waren, wie beispielsweise eine Morddrohung, aber auch zu gefährlichen Situationen führen konnten. Vergangenen Winter schlug  knapp neben dem filmenden VGT Obmann ein Projektil ein, nachdem er von einem Jäger anvisiert worden war. Im Oktober 2016 musste so eine Tierschützerin durch mehrmalige Schläge auf den Kopf in ein Unfallkrankenhaus gebracht werden. Diese Arbeit ist also nicht immer unriskant, aber zum Aufklären der Gesellschaft notwendig.

Die diversen Tätigkeiten des VGT zum Thema Gatterjagd und der Jagd auf gezüchtete Tiere sind auch mit einer Petition zur Abschaffung der Gatterjagd in Österreich, ebenso wie die Abschaffung der Jagd auf eigens gezüchtete Tiere, verbunden. Diese kann bei allen aktuellen Aktionen des VGT, sowie online unterschrieben werden.

Online-Petition: http://vgt.at/actionalert/gatterjagd/petition.php

Weiterführende Informationen zur Kampagne: http://vgt.at/actionalert/gatterjagd/index.php

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Ökologische Pflegeeinsätze

Kürzlich (im September – also eigentlich schon länger her) hatte ich die Gelegenheit, bei einem Pflegeeinsatz vom Naturschutzbund Niederösterreich an der Thermenlinie mitzuwirken. Vom Naturschutzbund aufgekaufte Flächen, die beispielsweise früher zum Weinanbau genutzt wurden oder auch beweidet werden, müssen auch gepflegt werden, um diese zu erhalten.
Nach der Nutzung sind die ehemaligen Weingärten verbracht und konnten teilweise geschützte, angepasste Tier- und Pflanzenarten beherbergen, die sich erst durch die Nutzung ansiedeln konnten. Es klingt daher auch sinnvoll, die betroffenen Flächen nach der Nutzung weiterhin zu pflegen, um ansonsten vom Verschwinden bedrohte Arten zu erhalten, oder?

Die Antwort hängt auch vom jeweiligen Blickwinkel ab – Klimaschutz, Artenschutz, Tierschutz…

Da der CO2 Ausstoß unserer Gesellschaft größten Teils aufgrund von Massentierhaltung, Abbau fossiler Brennstoffe und Industrie ständig steigt, kommt der Erhaltung der CO2 Speicher unserer Umwelt immer wichtigere Bedeutung zu – die Wälder. Je nach Baumarten und Waldtyp sind Wälder in der Lage große Mengen an CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen. Ohne Wälder wäre die CO2 Konzentration in der Atmosphäre um ein Vielfaches höher.

Aufgrund dessen stellte sich mir während der Arbeit die Frage, ob es nicht aus diesem Grund sinnvoller wäre, die gekauften Pflegeflächen in ihren ursprünglichen Zustand als Wald zurückkehren zu lassen und die natürliche Sukzession nicht mehr zu unterbrechen.

Es stimmt, wir müssen Verantwortung gegenüber dem Klimawandel übernehmen. Doch selbst wenn wir einige Flächen verwalden ließen, wäre das Problem Klimawandel dadurch noch nicht beseitigt. Die Belastung für Klima und Umwelt durch die oben genannten Faktoren wären nach wie vor gegeben, solange mensch das Problem nicht an der Wurzel packt. Es ist sehr fraglich, ob ein bisschen mehr Wald dem steigenden CO2 Ausstoß entgegenwirken kann. Zudem ist CO2 nicht das einzige durch Menschen verursachte Klimagas, hinzu kommen auch beispielsweise Methan und Lachgas, die eine Erwärmung des Klimas fördern und durch einen „positive feedback loop“ durch die Erwärmung in einer noch größeren Freisetzung der Klimagase resultiert, die wiederum die Erwärmung fördern.

Die Verantwortung gegenüber unseren Mitlebewesen und Mitwelt ist aber neben jener über die Erderwärmung ebenfalls vorhanden. Aufgrund der Nutzung durch den Menschen konnten sich viele Arten erst in den Flächen richtig etablieren und ausbreiten. Aus dem Blickwinkel des Artenschutzes wäre es also verantwortungslos, alle Flächen sich plötzlich wieder selbst zu überlassen. Beispielsweise könnten viele Heuschrecken- und Tagfalterarten so gänzlich verschwinden. Auch die stark gefährdeten Ziesel hätten an manchen Standorten keine Chance sich zu erhalten, gäbe es dort gar keine Pflegemaßnahmen mehr.

Die ökologischen Störungen, die durch die Pflege der Flächen aber zustande kommen, dienen dem Erhalt der Artenpopulation dort.

Die Arten würden durch ein Unterlassen der Pflegemaßnahmen selbstverständlich nicht auf brutale Weise ausgerottet, so wie das bei Regenwaldrodungen für den Anbau von Tierfutter oder durch den kommerziellen Fischfang der Fall ist, sondern würden nur langsam verschwinden, da sich der Lebensraum langsam verändern würde. Insofern wäre es aus der Sicht des Tierschutzes nicht unethisch, die Pflege nicht fortzusetzen.

Auch Ästhetische Ansprüche und der Erholungswert sind für die meisten Menschen wichtig, die die vielfältige Landschaft, in diesem Fall sekundären Lebensraum, genießen möchten und Zeit in der Natur verbringen wollen. Und als Bewusstseinsbildung für die Verantwortung, die wir haben, ist auch das ein Grund, weshalb Pflegeeinsätze sinnvoll sein können. Dabei können diese Ansprüche natürlich sehr stark individuell variieren; ich persönlich bevorzuge ursprüngliche oder zumindest sehr naturnahe, weite Wälder stark vor Kulturlandschaft. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht allein nach dem eigenen Interesse zu entscheiden, sondern das der Gesellschaft, Umwelt und das der Tiere miteinzubeziehen.

Zusammengefasst gibt es bei Erhaltungsmaßnahmen, aber sicher auch bei ökologischen Restaurierungs-Maßnahmen immer verschiedene Perspektiven, die zu bedenken sind und die zu der ökologisch sinnvollsten und ethisch vertretbarsten Lösung führen sollen.

Natur besitzen

Bald beginnt im Salzkammergut wieder die Singvogelfangsaison – Mitte September. Leider wollen Menschen allgemein gerne besitzen. Nicht nur Dinge, sondern auch Tiere. Anstatt unsere Mitlebewesen zu verstehen, werden diese Tiere gefangen, nur um ausgestellt zu werden. (Wer dabei den größten Vogel hat, gewinnt einen Preis) Die Schönheit unserer Wälder und Vogelwelt kann nicht eingefangen werden. Ein eingesperrter Singvogel singt nicht auf die gleiche Weise und ist ein trauriger Anblick. Würde man versuchen, das Verhalten und die Gefühle von Vögeln zu verstehen, wäre es für jeden Menschen zweifellos klar, wie gestresst und depressiv Vögel in Käfigen sind. Den früheren Nutzen des Singvogelfangs, nämlich, die Vögel zu essen, gibt es schon lange nicht mehr. Aber es gibt in Österreich oft das Verlangen, an früheren Notwendigkeiten festzuhalten, obwohl sie lange schon nicht mehr notwendig sind.

Anstatt Gewalt können wir aber auch Geduld zeigen, sie nicht aus ihrem zu Hause reißen und beobachten.

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(Quellen der Singvogelfangbilder: medienfreedom.at und vgt.at)

Welcher Anblick ist schöner?

Respekt anstatt zielloser Tradition

Bei meinen fast jährlichen Besuchen in Südschweden hatte ich immer die Gelegenheit, viele Vogelarten und ihr Verhalten, insbesondere Wasservögel, zu beobachten. Nicht nur die Wasserlandschaften und lichten Wälder bieten ihnen ein gutes Zuhause, sondern auch die Tatsache, dass Vogelfang in Schweden strengstens verboten ist.

Das dort geltende Jedermannsrecht (Allemannsrätt) gewehrleistet, dass sich jede/r frei in der Natur bewegen darf, sowie auch zelten, bedingt aber durch einen respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur und ihren Lebewesen. So gibt es zahlreiche Vogelbeobachtungsplätze und geschützte Vogelgebiete, die auch nicht durch unzeitgemäße Traditionen, wie Singvogelfang, gestört werden dürfen.
Anstatt den Singvogelfangplätzen, die mensch als Wanderer im oö Salzkammergut zu Weilen antrifft, wäre ein respektvoller Umgang mit Vögeln auch in Österreich wünschenswert.

Viel aufmerksamere Arbeit, als sie einzusperren, ist, sie in einem Bild einzufangen.
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Macht und Verantwortung

Die Wahrheit wird oft verschwiegen, denn die Wahrheit bringt oft Unannehmlichkeiten, schlechtes Gewissen oder Profiteinbuße. Einflussreiche Konzerne oder Personen, die im öffentlichen Interesse stehen, haben wie “normale” Menschen die Möglichkeit zu sprechen, zu lügen oder zu schweigen. Mit der Wahl, die sie treffen, können sie jedoch oft viel mehr bewegen, und sie haben die Wahl die Richtung der Bewegung zu wählen.
Aus genannten Gründen fällt die Wahl leider oft nicht auf die Wahrheit.
Wenn eine Person oder Organisation an Macht gewinnt, sinkt die Motivation die (ganze) Wahrheit zu sagen. Das geschieht beinahe schon unausweichlich. Dennoch ist es für eine ethisch handelnde Gesellschaft ebenso unausweichlich, sich wieder zu motivieren, nach den Tatsachen zu suchen und diese nicht zu verschweigen. Wir alle, aber besonders Konzerne, Organisationen, Politiker, etc. tragen diese Verantwortung.
Im folgenden ein offener Brief eines Tier- und Umweltschutzaktivisten, der genau an diese Verantwortung erinnern will:

 

Nach eigener Darstellung ist Greenpeace eine unabhängige Organisation, die sich seit Jahren weltweit einsetzt für den Schutz der Regenwälder, der Meere, des Klimas, der Umwelt allgemein, und dieses Jahr schwerpunktmäßig für die Bienen. Doch jedes mal, wenn ich von Mitarbeiter_innen von Greenpeace entweder auf der Straße angesprochen oder am Telefon angerufen wurde, ging es ihnen immer nur um Dauerspenden.

Und jedes mal, wenn ich die sympathischen, jungen, eloquenten Umweltschützer_innen darauf angesprochen hatte, ob sie wüssten: wofür der Großteil des Amazonas-Regenwaldes eigentlich gerodet wurde? was mit der Hälfte des weltweiten Fischfangs eigentlich geschieht? was laut FAO-Bericht 2006 für 18% und laut Worldwatch-Report 2009 für 51% aller menschengemachten Klimagase, und was laut Footprintrechner für etwa 1/3 des ökologischen Fußabdrucks der Menschen der Industrienationen eigentlich verantwortlich ist? warum Mais mit Neonicotinoiden gegerbt wird, bzw. warum es so viele Mais-Monokulturen gibt, bzw. wer eigentlich den ganzen Mais isst, oder wo denn der Großteil der Nitrate, Antibiotika und anderen Chemikalien im Grundwasser her kommen? – Schweigen, Erstaunen, Überraschung, in manchen Fällen sogar Abstreiten oder gar offene Aggression und Abkehr vom Umweltschutz.

  • Für alle, die die Antworten auf diese Fragen ebenfalls noch nicht kennen: Die gerodeten Gebiete des Amazonas-Regenwaldes wurde zu fast 70-80% für Weideflächen und zu fast 20-30% für den Anbau von Soja für Exportfuttermittel zerstört. Österreich importiert jährlich hunderttausende Tonnen Gensoja aus gerodeten Regenwäldern für die heimische Tierindustrie. Die Hälfte des weltweiten Fischfangs wird zu Fischmehl verarbeitet an Tiere verfüttert. Die Tierhaltung ist laut FAO-Bericht 2006 für 18% und laut Worldwatch-Report 2009 für 51% aller menschengemachten Klimagase sowie laut Footprint-Rechner für etwa 1/3 des gesamten ökologischen Fußabdrucks der Menschen der Industrienationen verantwortlich. Die Mais-Saat wird mit dem Nervengift Neonicotinoid gegerbt, um den Maiskolbenbohrer, der sonst große Teile der Mais-Monokulturen auffressen würde, zu vergiften. Mais wird in Österreich fast ausschließlich für die Schweinemast angebaut. Da Lebensmittel, wenn sie von Lebewesen gegessen werden, zum Großteil in Atemluft, Kot, Harn und Knochen, und nur zu einem geringen Anteil in Muskelfaser (bzw. im Fall der Milch- und Eier-Industrie in Muttermilch und Eier) umgewandelt werden, benötigt die Schweine-Industrie (ebenso die Milch- und Eier-Industrie) riesige Mengen an Lebensmitteln. Der einzige Weg, diese Unmengen an Lebensmitteln zu produzieren, sind (neben Futtermittelimporten) Monokulturen. Sogenannte Schädlinge, wie etwa der Maiskolbenbohrer, sind die natürliche Reaktion gestörter Ökosysteme auf Monokulturen. Da ein Großteil der verfütterten Lebensmittel in Kot und Harn umgewandelt wird, ist die Tierindustrie der Haupt-Emitent von Nitraten. Da es mehr Schlachttiere als Menschen gibt, und da diese Tiere schnell wachsen (bzw. viel Muttermilch und Eier produzieren) müssen, verbraucht die Tierindustrie mehr Antibiotika als alle Menschen zusammen. Da die Haltungsbedingungen dieser intelligenten (Nutz-)Tiere sich in einer kapitalistischen Welt nicht an den Interessen der Tiere orientieren können, werden viele von ihnen körperlich krank oder einfach verrückt, was mit Medikamenten und Psychopharmaka billig behandelt wird. All diese Probleme sind völlig unnötig, weil eine gut geplante pflanzliche Vollwertkost (vegan) für alle Menschen geeignet und wesentlich gesünder ist.
    Quellen: http://www.fao.org/newsroom/en/news/2006/1000448/index.html

    http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf

    http://www.footprint.at/
    http://www.ages.at/ages/ernaehrungssicherheit/gvo/soja-futtermittel/

    http://www.statistik.at/web_de/statistiken/land_und_forstwirtschaft/preise_bilanzen/versorgungsbilanzen/
    http://www.vegan.at/umwelt/index.html
    http://www.provegan.info/de/studien/

Greenpeace hätte als weltweit anerkannte Umweltschutz-Organisation mit Abermillionen von Spendern und Spendengeldern so viel Macht, um die Umwelt-vernichtende Ignoranz der Menschheit zu überwinden, und durch gezielten Druck auf die Regierungen beispielsweise Umweltsteuern statt Milliardensubventionen für eine Tierindustrie zu bewirken, die sinnloserweise die Ressourcen dieses Planeten verschlingt und zerstört und unser aller Lebensgrundlage bedroht.

Ich bitte daher alle Umweltschützer_innen, die positiven Kräfte innerhalb von Greenpeace durch kritische Anfragen bei der Servicezentrale von Greenpeace CEE zu bestärken, damit sich alle Mitarbeiter_innen von Greenpeace ihrer persönlichen Verantwortung durch ihre Ernährungsgewohnheiten bewusst werden, und die gesamte Organisation sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als weltweit größte und renommierteste Umweltschutzorganisation bewusst wird, und sich endlich dazu durchringt zum Schutze des Planeten auch etwaige Spendeneinbußen hinzunehmen.

service@greenpeace.at
Telefonisch: +43 (0)1 545 45 80 (Mo-Do 9:00-17:00; Fr 9:00-13:00)

Gibt es ethische Forschung?


Forschung in den Naturwissenschaften wirft viele verschiedene ethische Fragen auf. Um neues Wissen zu erlangen reinigt der Zweck nicht die Mittel. Dabei kommt es nicht nur auf die Methode zur Erlangung von Wissen an, sondern auch an die Fragestellung an sich.
Ist es sinnvoll etwas zu erforschen, das weder im Alltag, noch zu sonstigen Zwecken relevant ist? Müssen wir wissen, ab wieviel Dezibel punkt genau das Trommelfell eines Hamsters platzt? Sollen wir herausfinden, welche menschliche „Rasse“ intelligenter ist? Oder welches Geschlecht intelligenter ist?
Brauchen wir ständig neue Haushaltsmittel für die chemische Substanzen in die Augen von Kaninchen getropft werden? Müssen immer und immer wieder neue Versuchstiere getötet werden, um diese für das Studium sezieren zu können, obwohl es Modelle gibt?

Schwieriger wird es bei der Erforschung von Krankheitsabläufen. Den Verlauf an verschiedenen Tierarten zu beobachten sagt uns zwar, wie sich Krankheiten bei diesen Tieren entwickeln, aber nicht, wie es beim Menschen ist. Es könnte ähnlich, gleich oder völlig anders sein. Es werden Mäuse auf möglichst frühes Krebswachstum gefüttert, man untersucht Alkoholismus an Ratten, um herauszufinden, wie Menschen danach süchtig werden, obwohl die gesellschaftlichen Einflüsse bei den Ratten gänzlich fehlen.
Den Verlauf an Menschen zu beobachten ist ethisch oft genauso fragwürdig. Ein gutes Beispiel ist die Tuskegee-Studie, bei der rassistische Ärzte afroamerikanische Menschen mit Syphilis beobachteten ohne sie zu behandeln. Interessant für die Ärzte war dabei nur noch die Autopsie. Obwohl bereits eine Behandlungsmethode bekannt war, wurde diese den Betroffenen vorenthalten. Sie starben qualvoll an ihrer Krankheit.

Wenn beispielsweise der Test eines neuen Medikaments am Menschen auf freiwilliger Basis besteht, kann das bedeuten, dass dieser Mensch das nur deshalb tut, weil er oder sie finanzielle Probleme hat.
Man erkennt bereits das Dilemma. Sinnvoll ist nicht immer gleich ethisch.

Um Herauszufinden, wie in der Forschung mit den verwendeten Tieren umgegangen werden soll, stellte sich in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger die Frage nach dem Schmerzbewusstsein verschiedener Tiere. Das kann dann erforscht werden, wenn Tiere in einer Situation ausgesetzt werden, von der wir annehmen können, dass sie ihnen Schmerzen bereitet. Das passiert oft mit Hilfe von Elektroschocks, aber auch indem Körperteile mit Säure eingerieben werden. Obwohl bei beinahe allen Tiere bereits konkrete Beweise für bewusstes Schmerzempfinden vorliegen, es gibt immer ein „obwohl“ oder „trotzdem“. Meistens von der Gesellschaft oder einer Gruppe von Menschen, die bestimmte Praktiken nicht aufgeben möchte: zB Jagen, fischen, Hummer essen, etc.

Auch im Biologie Studium stößt jeder früher oder später auf Tierversuche, auch wenn es sich nur um Prüfungsfragen handelt. Bei der ständigen Konfrontation mit dem Thema, wird die Botschaft vermittelt, all das sei normal und ist unumgänglich, auch wenn es nicht oft gut begründet ist. Auch Personen, die gegen Tierleid sind, können damit leicht überzeugt werden, dass wir alle Tierexperimente brauchen. Danach  sieht man gern auch bei weniger sinnvollen Versuchen eher weg.

Das Zusammenspiel von Forschung und Intuition ist für die ethische Entwicklung ausschlaggebend. Wir wissen von den allermeisten Tieren heute sicher, dass sie Schmerzen bewusst empfinden können, bei den anderen wissen wir, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit und das Potential gibt, bewusst Schmerzen zu empfinden.
Trotzdem wird auch an lebenden Organismen weitergeforscht und es sind bei weitem nicht einmal annähernd alle Versuche medizinisch Relevant.

Man erkennt die ethische Verantwortung besonders in den Naturwissenschaften, aber da Wissenschaft nie vollkommen objektiv sein kann, beeinflusst auch Speziezismus die Methoden um an Wissen zu gelangen. Die ForscherInnen sind selbst Teil unserer Gesellschaft und wuchsen in einem bestimmten Glaubenssystem auf.

Für Forschung entsteht oft viel Leid, das auch völlig ungerechtfertigt sein kann, wenn beispielsweise Ersatzmethoden bereits validiert worden sind. Die Quelle des Leids sind aber nicht böse unmoralische ForscherInnen, sondern eine festgefahrene ethisch einseitige Denkweise, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist.
Das soll keine Rechtfertigung für Tierversuche sein, sondern viel mehr ein Aufruf, die einseitige Denkweise zu verstehen, zu durchschauen und zu lernen diese zu hinterfragen, damit eine umfassende Ethik Verbreitung findet.

Singvögel im Schnee

Schnee bedeckt bereits alle Bäume. Besonderen Zauber wird den zugeschneiten Wäldern verliehen, wenn die Flocken im Schnee glitzern und einzelne Schneeflocken im Wald langsam von den Bäumen schweben. Gelegentlich verrät auch ein Vogel sein Versteck, wenn sich plötzlich eine kleine Schneelawine von einem Ast löst.

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Singvögel in Freiheit zu beobachten, ist eine der schönsten und interessantesten Beschäftigungen für mich in der Natur oder auch in der Nähe von Menschen. Manchmal hinterlässt es dennoch einen bitteren Geschmack, weil ich den Anblick von Singvögeln mit der Tradition des Singvogelfangs assoziiere, den es in Österreich nur noch im OÖ Salzkammergut gibt. Ich weiß, dass einige der noch in Freiheit lebenden Vögel möglicherweise von einem Lockvogel, den der Vogelfänger auch länger als einen Winter behalten darf, zu dem Futter gelockt werden – sobald sie sich setzen, schnappt die Falle zu. Schon Menschen würden dadurch in Schock und Angst versetzt. Für Vögel ist nicht nur die Verletzungsgefahr groß, sondern auch der Stress kann für sie lebensbedrohlich sein. Nach dem Fangen folgt der Transport der sonst wildlebenden Vögel. Selbst VogelexpertInnen wiesen darauf hin, dass diese Praxis nichts anderes als Tierquälerei sein kann, obwohl das ohnehin selbstverständlich sein müsste.

Stellen Sie sich vor, sie haben Hunger und wollen Ihre Jause genießen und sich dazu auf die Bank setzen. Sobald Sie das machen, klappt plötzlich eine Falle zu und Sie sind bewegungsunfähig. Wenn Sie sich dabei noch nicht das Genick gebrochen haben, kommt ein Wesen und sperrt Sie in einen Käfig für die nächsten Monate, obwohl Sie gewohnt sind, herumzuspazieren wo Sie wollen, sich mit Ihren Artgenossen zu unterhalten, zu reisen, zu laufen oder sich geborgen zu fühlen in ihrer vertrauten Umgebung. Als wären Sie ein Ding werden Sie ausgestellt und im Anschluss Ihre Frisur und die Gepflegtheit Ihrer Haut bewertet. Falls Sie wieder befreit werden, sind Sie höchst wahrscheinlich schwer traumatisiert. Derjenige, der Sie gefangen, von allem Vertrauten entrissen und Sie ausgestellt hat, nennt sich selbst Menschenfreund.

Während das selbstverständlich eine schwere Straftat wäre, heißt die selbe Vorgangsweise bei Singvögeln Brauchtum. Vögel haben ja auch keine Personenrechte, aber sie haben ein Bewusstsein, lernen, sprechen (auf ihre Weise) und fühlen. Besimmte Emotionen, wie Angst oder Stress fühlen sie möglicherweise noch intensiver als wir, da es für sie in einer ungewohnten Situation auch aus purer Angst lebensbedrohlich sein kann.

Viel herausfordernder ist es, Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, ihr Verhalten und ihre Emotionen zu studieren, ohne das Vorurteil, dass sie gänzlich anders oder auch gänzlich gleich den Menschen sind, was ihre Wahrnehmung oder Gefühlsleben betrifft. Spannender, als sie zu fangen, ist, sie zu fotografieren, wenn sie nicht in Panik einfach ihr Leben leben können. Schwieriger ist es auf jeden Fall auch – aber ein
gutesErsatzhobby für Vogelfänger und VogelfreundInnen.

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