Braucht Aktivismus eine Strategieänderung?

Ethik, Moral und Mitgefühl stehen bei Themen um Menschenrechte und Tierrechte im Vordergrund. Mitgefühl macht uns selbst vom Leid anderer betroffen und wir wollen auch andere darauf aufmerksam machen.

Vor Mitgefühl kann mensch sich aber auch einigermaßen leicht verschließen, weil es immer noch die Gegenspieler Bequemlichkeit und Egoismus gibt. Das ist nicht neu. Daher wird von vielen im Tier- und Menschenrechtsbereich aktiven Menschen erst recht besonders moralisiert und an das Mitgefühl appelliert. Es ist natürlich schwer zu messen, in welchem Maß es funktioniert. Aufgrund des oftmals ausbleibenden Effekts kann aber angenommen werden, dass diese Strategie meist nicht so erfolgreich ist, wie erwünscht.
Christine Bauer-Jelinek schreibt in ihrem Buch „Die geheimen Spielregeln der Macht“, dass an das Gewissen zu appellieren in dieser Gesellschaft keine Auswirkungen haben wird. In unserem System sind bereits andere Werte wichtiger. Menschen müssen sich selbst vermarkten und gut verkaufen können, um erfolgreich zu sein und Ziele durch zu setzen. Der Protest dagegen sei nicht immer sinnvoll. Der Druck auf Menschen, sich selber zu verkaufen, steigt auch immer weiter, da es anderenfalls sogar unsere Existenzgrundlage gefährden könnte.
Es macht den Eindruck, dass auch Menschen, die im Bereich Tier- und Menschenrechte aktiv sind, sich diesem Vorgehen anpassen müssen.
Gibt es dabei auch einen Mittelweg, bei dem mensch sich nicht vollständig sozialen Erwartungen hingeben muss?

Menschen, deren Leben auf Karriere, Geld und vor allem den eigenen Interessen beruht, werden sich nie durch moralische oder emotionale Botschaften beeindrucken lassen, sondern nur durch etwas, das ihnen einen Vorteil schafft – zB eigene Gesundheit, Ansehen, Aussehen, etc.
Menschen, denen „ernsthaftes“ Aussehen wichtig ist (sind meistens schnell zu erkennen), werden weniger auf Menschen reagieren, die sich alternativ kleiden, oder chaotisch wirken.
Menschen, denen Tradition wichtig ist, werden ebenfalls nicht auf Leute reagieren, die sich als Gegner von Tradition zeigen.
Also ist ein sehr bedeutsamer Aspekt ist also auch so eine Kleinigkeit, wie die Kleidung.

Ich habe es vor der Jägerballdemo gewagt, in dem Ankündigungstext einen Dresscode vorzuschlagen – nämlich seriöse Kleidung, wobei die Definition sehr weitläufig war. Sogar das scheint eine kleine Protestwelle ausgelöst zu haben. Menschen tendieren aufgrund des Aussehens zu urteilen, daher war es meine Absicht, diese Oberflächlichkeit, besonders der eher konservativ gesinnten Menschen, für den eigenen Vorteil zu nutzen.
Da es sinnvoll ist, Vorurteile und Denkschema der Gegenseite zu kennen, kann es eine ebenso sinnvolle Strategie sein, das auszunutzen.

Ob es generell sinnvoll ist oder nicht, für Aktivismus mehr auf die Oberflächlichkeit und auf die „Werte“ mancher Menschen einzugehen und sich mehr oder weniger als einer  von ihnen  auszugeben, kann ich nicht eindeutig feststellen. Dafür gehen wir einen Kompromiss zwischen manchen Verhaltensweisen, die unsere Persönlichkeit ausmachen, und dem erwarteten Verhalten ein, aber gehen dafür keine Kompromisse bei unserem Anliegen ein. Positive Effekte kann es auf jeden Fall – erfahrungsgemäß – haben. Da zumindest Kleidung für die eigene Persönlichkeit ohnehin keine allzugroße Bedeutung haben sollte, ist es nicht schwer, bei der Bekleidung alleine Kompromisse einzugehen.

Das äußere Erscheinungsbild von Aktivismus und AktivistInnen ist aber abhängig von der Zielgruppe.  So uniform sind die Menschen in unserer Gesellschaft noch nicht geworden. Wir sollen uns zwar nicht selbst verleugnen, um anderen besser zu gefallen, aber viel wichtiger, als Äußerlichkeiten anzupassen ist es, zu lernen, auf das Gegenüber individuell einzugehen und die Argumente entsprechend individuell zu formulieren. Nach verschiedenen Diskussionserfahrungen lernt mensch, das Gegenüber besser zu lesen und erkennt bald früher, welche Strategie am geschicktesten sein könnte.

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Demogespräch der Woche

Bei Videodemonstrationen werden Filme und Dokumentationen über Missstände in einer Gesellschaft aufgezeigt. Bei dem heutigen Thema der Videodemo – Pelz – gab es eine Hand voll Menschen unter Unmengen auf der Landstraße, die tief in Einkäufe versunken waren, die innehielten, um den Pelzopfern zu gedenken, vereinzelt Menschen, die  in Feiertagsstimmung darüber scherzen konnten und ein paar, die die Tatsache, dass ein kleiner Generator verwendet wurde, als überaus tragisch empfanden.

Dialog:

Meckermensch: Aber mit dem stinkigen Generator verschmutzen Sie ja die Umwelt.
Aktivistin1: Die Tierindustrie verschmutzt die Umwelt.
Meckermensch: Ja, aber das stinkt so.
Aktivistin1: Es stinkt nur 2 Stunden lang bei uns. Die Gülle aus der Fleischproduktion verpestet den Boden und Luft länger.
Meckermensch: Ja schon, aber ihr protestierts ja gegen Pelz und verschmutzt dabei die Umwelt.
Anna: Da müssten Sie sich bitte an den Verantwortlichen richten.
Meckermensch: Wer ist das?
Anna: Das ist die Pelzindustrie. Wegen der Pelzindustrie müssen wir hier im Gestank stehen, uns das grauslige, nervige Pelzvideo wieder und wieder anhören und uns deppat anschaun lassen. Die Pelzindustrie produziert auch umweltschädliche Kleidung aus Tierquälerei, was zur Folge hat, dass wir Sie hier nerven müssen. Wenn Sie die Pelzindustrie auffordern, die Umwelt mit ihren Produkten nicht mehr zu verschmutzen, dann können wir endlich gehen
Meckermensch: Wie erreich ich die?
Anna: Puh… fragen Sie mal die Geschäftsleitungen von Kleider Bauer oder Sportalm Kitzbühl. Die sind ebenfalls verantwortlich.
Meckermensch: Okay, und wenn die einfach mit dem Pelz aufhören, dann schaltet ihr den Generator aus?
Anna: Ja, gerne.
Meckermensch: Gut. Werds schon sehn, das werd ich machen.
Aktivist1: Viel Glück.

Selbiges gilt auch für alle, die an den Feiertagen keine Realität sehen wollen oder den Generator nicht mögen, der gebraucht wird, um Videomaterial zu zeigen: Bitte kontaktieren Sie die Verantwortlichen. Unter Umständen muss mensch dazu nur einen Spiegel verwenden, denn der eigene Konsum von Tierprodukten unterstützt die Industrie, die verantwortlich ist, für den allergrößten Anteil der Umweltbelastung.

Käfigvögel

Man möchte meinen, dass Vögel es nicht schlimm finden, in Käfigen gehalten zu werden, solang sie das bereits ihr Leben lang gewohnt sind. Man möchte es natürlich gerne meinen, damit die Käfighaltung bei Vögeln nicht verboten werden muss.

Ein Vogel, der viel Zeit im Käfig verbracht hat, verlernt in vielen Fällen das fliegen bzw. kann nur sehr kurze Strecken fliegen – auch dann, wenn er/sie das fliegen schon einmal erlernt hatte. Selbstverständlich kann das auch zu Unfällen führen.

Manche Käfigvögel werden auch an die Anwesenheit von Menschen nie richtig gewöhnt.
Auch meine Familie hat vor Jahren zwei Zebrafinken in der Massagepraxis gehalten, da wir sie von dem vorherigen Halter übernommen haben. Ihren Dauergefängnisaufenthalt waren sie „gewohnt“. Besonders gemocht haben sie die Gefängniswärter nicht. Mich fauchten sie – verständlicher Weise – oft an und wurden auch unruhig, wenn man sich ihnen zu sehr näherte. Sie mussten sterben, weil sie ihrem natürlichen Fluchtverhalten nicht nachkommen konnten. Als eine Katze sich ihnen (von uns unbemerkt) näherte, erlitten beide einen Herzinfarkt.

Manche Vögel verbringen ihr Leben tatsächlich in Käfigen, die nicht größer als Ausstellungskäfige sind. Doch bei Ausstellungen selbst werden neue Extreme erreicht. Ist das in Ordnung, wenn die Vögel ohnehin verlernt haben, zu fliegen, oder würden sie vielleicht doch gerne das Fliegen lernen und ausbrechen?

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Die Fotos wurden bei einer Vogelausstellung in Sipbachzell gemacht (vergangenes Wochenende), sind aber nicht von mir.

Singvögel im Schnee

Schnee bedeckt bereits alle Bäume. Besonderen Zauber wird den zugeschneiten Wäldern verliehen, wenn die Flocken im Schnee glitzern und einzelne Schneeflocken im Wald langsam von den Bäumen schweben. Gelegentlich verrät auch ein Vogel sein Versteck, wenn sich plötzlich eine kleine Schneelawine von einem Ast löst.

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Singvögel in Freiheit zu beobachten, ist eine der schönsten und interessantesten Beschäftigungen für mich in der Natur oder auch in der Nähe von Menschen. Manchmal hinterlässt es dennoch einen bitteren Geschmack, weil ich den Anblick von Singvögeln mit der Tradition des Singvogelfangs assoziiere, den es in Österreich nur noch im OÖ Salzkammergut gibt. Ich weiß, dass einige der noch in Freiheit lebenden Vögel möglicherweise von einem Lockvogel, den der Vogelfänger auch länger als einen Winter behalten darf, zu dem Futter gelockt werden – sobald sie sich setzen, schnappt die Falle zu. Schon Menschen würden dadurch in Schock und Angst versetzt. Für Vögel ist nicht nur die Verletzungsgefahr groß, sondern auch der Stress kann für sie lebensbedrohlich sein. Nach dem Fangen folgt der Transport der sonst wildlebenden Vögel. Selbst VogelexpertInnen wiesen darauf hin, dass diese Praxis nichts anderes als Tierquälerei sein kann, obwohl das ohnehin selbstverständlich sein müsste.

Stellen Sie sich vor, sie haben Hunger und wollen Ihre Jause genießen und sich dazu auf die Bank setzen. Sobald Sie das machen, klappt plötzlich eine Falle zu und Sie sind bewegungsunfähig. Wenn Sie sich dabei noch nicht das Genick gebrochen haben, kommt ein Wesen und sperrt Sie in einen Käfig für die nächsten Monate, obwohl Sie gewohnt sind, herumzuspazieren wo Sie wollen, sich mit Ihren Artgenossen zu unterhalten, zu reisen, zu laufen oder sich geborgen zu fühlen in ihrer vertrauten Umgebung. Als wären Sie ein Ding werden Sie ausgestellt und im Anschluss Ihre Frisur und die Gepflegtheit Ihrer Haut bewertet. Falls Sie wieder befreit werden, sind Sie höchst wahrscheinlich schwer traumatisiert. Derjenige, der Sie gefangen, von allem Vertrauten entrissen und Sie ausgestellt hat, nennt sich selbst Menschenfreund.

Während das selbstverständlich eine schwere Straftat wäre, heißt die selbe Vorgangsweise bei Singvögeln Brauchtum. Vögel haben ja auch keine Personenrechte, aber sie haben ein Bewusstsein, lernen, sprechen (auf ihre Weise) und fühlen. Besimmte Emotionen, wie Angst oder Stress fühlen sie möglicherweise noch intensiver als wir, da es für sie in einer ungewohnten Situation auch aus purer Angst lebensbedrohlich sein kann.

Viel herausfordernder ist es, Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, ihr Verhalten und ihre Emotionen zu studieren, ohne das Vorurteil, dass sie gänzlich anders oder auch gänzlich gleich den Menschen sind, was ihre Wahrnehmung oder Gefühlsleben betrifft. Spannender, als sie zu fangen, ist, sie zu fotografieren, wenn sie nicht in Panik einfach ihr Leben leben können. Schwieriger ist es auf jeden Fall auch – aber ein
gutesErsatzhobby für Vogelfänger und VogelfreundInnen.

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Tierrechte und Verfassungsschutz

Der Begriff Tierrechte wird von bestimmten Gesellschaftsgruppen gerne bei passender Gelegenheit mit Extremismus in Verbindung gebracht. Ein sehr verschwommen und ungenau definierter Begriff, der sich bei individuellem Gebrauch als sehr biegsam erweist, ebenso wie „militant.“ Menschen lieben Kategorien und wollen besonders unangenehme Gruppen, die etwa auf einen Missstand aufmerksam machen oder Dinge hinterfragen, die am besten nicht hinterfragt werden, Kategorie „Böse“ zuteilen. Dadurch können diese Gruppen an den unbeliebten Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Tierrechte sind demnach selbstverständlich extrem und militant, weil sie sowohl aufmerksam machen, als auch hinterfragen.

Im Verfassungsschutzbericht wird zum Thema Tierrechte erläutert: „Mit dem Begriff Tierrechtsgruppen wird eine Abgrenzung zum allgemein anerkannten Tierschutz, der innerhalb der Rechtsnormen ausgeübt wird, getroffen.“ Tierrechte sind also militanter Tierschutz, Tierrechtler solche, die „verschiedene Doppelstrategien“ verfolgen, wie es im Verfassungsschutzbericht von 2013 weiter heißt. Demgegenüber stehen „traditionelle Tierschutzgruppen“– der Begriff der Tradition ist also der positivere. Tradition verfolgt wohl kaum das Ziel, zu verändern, also laut Verfassungsschutzbericht 2013 besser als das militante und extreme Ziel, zu hinterfragen und aufzuzeigen.
Veränderung unerwünscht.

Bei den Punkten Linksextremismus und Rechtsextremismus im Bericht zeichnen sich die Aktionen besonders durch Gewaltbereitschaft aus, was auch in der Statistik der Straftaten deutlich sichtbar ist. Bei den „militanten Tierrechtsgruppen“ fällt auf, dass der Begriff „Gewaltbereitschaft“ fehlt. 16 Anzeigen gab es 2012 bei Strafrechtsdelikten – eine davon skurriler Weise Tierquälerei. Dabei handelt es sich, um die Schweinebefreiung, die jetzt einem Angeklagten im zweiten Tierschützerprozess vorgeworfen wird. Nicht die grausame Haltung wurde als Tierquälerei interpretiert, sondern die Befreiung aus dieser Haltung. Ob es sich bei den anderen 15 Anzeigen um seriöse Vorwürfe handelt, bleibt zu hoffen, denn ansonsten wären diese Anzeigen wohl nur klägliche Versuche, sich lästiger Gruppen zu entledigen, die sich nicht an traditionellen Tierschutz halten.
Strafbare Handlungen sollen kein Mittel für welchen Zweck auch immer sein. Die Tierrechtsbewegung basiert auf dem Gedanken der Gewaltlosigkeit gegenüber Lebewesen. Dass dazu nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zählen, ist selbstverständlich.

„Militante Tierschützer sind rechtlich gut geschult und begehen selten strafrechtliche Delikte.“

Dieser Satz stammt von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, die über nächtliche Besuche von Tierschützern in Tierbetrieben (um eventuelle Verstöße gegen die Tierhaltungsverordnung anzuzeigen und Beweisfotos zu machen) schreibt. Militant sind also nicht (die kaum vorhandenen) Straftaten, sondern die Tatsache, dass Tierrechtler sich in die Angelegenheiten der Tierwirtschaft mischen. Offenbar ist man der Meinung, der traditionelle Tierschutz wird von Bauern vertreten, „selbsternannte Tierschützer“ haben also nichts mitzureden. So wenig, wie selbsternannte Umweltschützer die Abholzung von Regenwäldern für Tierfutter oder den Ausbau von Atomkraftwerken zu kritisieren haben. Denn diese sind nicht fachkundig – meistens eben nur besser informiert und sensibilisiert über globale Konsequenzen.

Die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und regelmäßigen Fälle von Tierquälerei scheinen in den Berichten übrigens nicht auf.

Ein fleischfreier Tag ist unzumutbar?

Der Vorschlag der deutschen Grünen über einen Veggie-Tag pro Woche in Kantinen kommt erwartungsgemäß bei der FDP und der CSU nicht gut an. Auch die Zeitung Bild schließt sich der melodramatischen Stimmung an und schreibt „Die Grünen wollen uns unser Fleisch verbieten.“ Sogar die österreichischen Grünen distanzieren sich von der Forderung ihrer deutschen Kollegen. In Österreich setze mensch lieber auf Bewusstseinsbildung als Verbote (indem bei Veranstaltungen wie “Grillen mit Eva” nicht mehrheitsfähiges Bio-Fleisch konsumiert wird).
http://derstandard.at/1375625702608/Von-Veggie-Day-und-Fleischfreitag
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/566850_Veggie-Day-schmeckt-nicht-allen.html
http://www.bild.de/politik/inland/vegetarisch/gruene-wollen-einmal-die-woche-in-kantinen-fleisch-verbieten-31661266.bild.html

Ein einziger Vegetarischer Tag ist offenbar unerträglich, obwohl VegetarierInnen jeden Tag eine sehr begrenzte Auswahl in Kantinen zur Verfügung haben. Die Reaktion auf die Forderung, mehr Rücksicht auf VegetarierInnen zu nehmen, ist beinahe schon panisch. Sogar Jugendorganisationen von FDP und CSU gehen auf die Barrikaden und protestieren gegen die tier-, umwelt- und menschenfreundliche Maßnahme vor der Zentrale der Grünen. Bei diesem Protest geht es nicht um den Einsatz für Schwächere, sondern um die Wurst, ums Schnitzel und um Burger – um die eigenen Gaumenfreuden.

Wer sich regelmäßig für die Verbesserung (Reformen) oder Vermeidung der katastrophalen Zustände in der Tierhaltung einsetzt, hat mit vielen absurden Vorwürfen zu rechnen. In Österreich sogar mit dem Vorwurf der schweren Nötigung bei der bloßen Ankündigung legaler Aktivitäten! (siehe: http://www.martinballuch.com/?p=2707 , http://www.veggies-linz.at/solidarisierung-vernetzung-gewaltlosigkeit/) Bei den angestrebten Verbesserungen handelt es sich ohnehin meist um kleine Reformen, da eine auf Ausbeutung beruhende Gesellschaft nur kleine Schritte gehen kann, aber sich am liebsten gar nicht bewegt, sondern gemütlich vor dem Fernseher und der AMA Werbung „Fleisch bringt‘s“ hockt. Demonstrationen, die eine Minderungen der Ausbeutung anstreben, werden gern ohne weitere Überlegung als radikal abgetan, aber wie bezeichnet mensch dann Protestaktionen, die gegen Maßnahmen zur Minderung von Ausbeutung gerichtet sind?

Während fast eine Milliarde Menschen (ver-)hungert, nicht zuletzt, weil der Großteil der vorhandenen Nahrung zur Herstellung tierlicher Lebensmittel an Nutztiere für die reicheren Länder verfüttert wird, besteht die Mehrheit weiter auf den Überfluss tierlicher Lebensmittel, nur für einen kurzen Genuss, den auch pflanzliche Lebensmittel bieten würden.

Aber ein Tag fleischlos zu leben ist eine Unzumutbarkeit!

Tierschutz in der Verfassung als Erfolg für die Tierindustrie?

Ignorieren des Tierschutz Volksbegehrens,
Ignorieren der Tierschutz Petitionen,
Versprechen für eine Umsetzung,
Einigung auf den Wortlaut für das Wohlbefinden von Mitgeschöpfen,
Hinausgezögert,
Versprechen für eine Umsetzung,
Der Monsterprozess stoppt die Kampagne,
Hinausgezögert,
Vergessen,
Ignorieren der neu entflammten Forderung,
Ignorieren,
Versprechen,
Hinauszögern,
Änderung des geplanten Wortlauts,
Ausführlichere Formulierungen abgelehnt,
Festlegung auf sinnlose Formulierung hinter verschlossenen Türen,
Inakzeptabel

17 Jahre bis zur Umsetzung der mehrheitlichen Forderung,
– Ist nun gehaltlos; Tierversuche, Fleisch essen und Jagd werden durch geschickte Wortwahl im selben Bundeverfassungsgesetz geschützt.

Als Sprachrohr der Agrar- und Tierindustrie, hat die ÖVP „nachgegeben“. Eine solche Kampagne mitzuerleben und mitzugestalten ist spannend, aber auch von Frustphasen geprägt. Politische Kampagnen zeigen, wer hinter der Regierung wirklich Macht besitzt und ethischen Fortschritt so lange wie möglich zu verhindern sucht. Alle anderen gehören zur Unterschicht, die vorwiegend die beruhigende Umarmung von Konzernmacht und All-Wissender Industrie widerstandslos hinnimmt. Gerne wird ein Profitverlust als allgemein gesellschaftlicher Verlust dargestellt, indem die wachsende Industrie als Tradition getarnt wird.

Ist das Verschlingen von insgesamt 70kg Fleisch, davon 40kg Schweinemuskeln pro Kopf jährlich eine Tradition? Wenn die steigende Zahl von Menschen auf eine vor langer Zeit üblichen Praxis besteht, wird daraus nicht Volkstum, sondern Volksdummheit. Mehrheitsfähig oder nachhaltig ist der steigende Fleischkonsum gemeinsam mit der Anzahl von Menschen, die darauf bestehen, nicht.

Trotzdem schafft es die Tierindustrie das idyllische Image zu behalten, das auf höchstens 2% der Tierhaltungen zutrifft. Die Überzeugung von einem Massentierhaltungs-freies Österreich hält sich. Irreales Wunschdenken erzeugt die politische Macht von Industrie und dazugehörige Ausbeutung. Dass diese nun auch Einfluss auf die Umsetzung von Tierschutz im Verfassungsrang hat, ist selbstverständlich.
Eine gut ersichtliche, aber nichts sagende Formulierung für Tierschutz, aber auch das verkleidete Bekenntnis zum Fleischessen, zu Tierversuchen und Jagd ist die Folge. Daher kann Tierschutz in der Verfassung auch von dem Sprachrohr der Industrie und inoffiziellen Verhindererpartei als Erfolg verkauft werden. Da die Formulierung schlicht schwach ist fällt die tatsächliche Auswirkung wahrscheinlich geringer aus, als die Alibiaktion für die ÖVP vor den anstehenden Wahlen.

http://derstandard.at/1350259125243/Pro-Person-in-Oesterreich-70-Kilo-Fleisch-im-Jahr
http://www.veggies-linz.at/drei-parteien-tierschutz-mogelpackung/