Animal Liberation Workshop 2017

Mein Eindruck, den ich vom Aktivismus beispielsweise im Tier- und Menschenrechtsbereich gewonnen habe, zeigt, dass dessen Effektivität oft stark von der Vernetzung zwischen einzelnen Vereinen/Gruppierungen und auch Themenbereichen abhängt, wie ich auch in einem vergangenen Blogeintrag erwähnt habe: https://annahajakygeisler.wordpress.com/2016/04/16/solidaritat-zwischen-vereinen/

Ohne Zusammenarbeit bleiben wir auf vereinzelte kleine Grüppchen aufgeteilt, aber durch die Vernetzung untereinander kann nicht nur die Anzahl an AktivistInnen gesteigert, sondern auch der Ideenpool erweitert werden.

Ich bin daher auch sehr dankbar, dass ich für das Fair Planet in Linz (www.fairplanet.at) im Vorstand mitwirken darf, denn dabei kriegt mensch noch mehr Einblicke, in die verschiedenen Initiativen und kreativen Möglichkeiten, die mensch für Tiere, Menschen und Umwelt nutzen kann. Das Fest steht im Zeichen der Vernetzung und wird hoffentlich noch viele Jahre an Engagement feiern.

Auch der nächste Animal Liberation Workshop in Linz soll viel vernetzter sein als bisher. Der Verein gegen Tierfabriken, bei dem ich seit 3 Jahren arbeite und die Aktionen in Linz organisiere und koordiniere, ist in Linz ein kleines, aber sehr treues und aktives Grüppchen. Deshalb versuchen auch wir oft mit anderen Vereinen zusammenzuarbeiten. Eine große Unterstützung dabei war beispielsweise der Verein RespekTiere aus Salzburg, die selbst großartige Tierschutz- und Tierrechtsarbeit leisten. Auch RespekTiere wird beim ALW 2017 dabei sein. Zudem werden auch 2 Vereine aus Rumänien vertreten, Schabenreith wollen wir einladen, sowie die Tierfreunde Oberösterreich. Das Programm soll deshalb neben der VGT Arbeit auch die der anderen Vereine beinhalten und bei einem Workshop auch Gemeinsamkeiten hervorheben und mögliche Kampagnen, die mensch gemeinsam angehen kann andenken. Auch die gegenseitige Unterstützung soll allgemein und bei einzelnen Projekten gestärkt werden. Zudem soll es für die beteiligten Organisationen dabei je einen Infotisch geben, wo Infomaterial u.ä. aufgelegt werden kann.

Wir wünschen uns einen aufschlussreichen und motivierenden Animal Liberation Workshop und hoffen, dass noch viele weitere erfolgreiche Aktionen stattfinden werden, wir gemeinsame Ziele ansteuern und gemeinsame Erfolge feiern können!

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Optimismus für die Gesellschaft

Nach einer Winterpause, in der viel Zeit in der Natur verbracht wurde, mit Eiskunstlauf und Schneeschuhwandern, ist es erstmal wieder schwierig, zurück in die aufreibende, körperlich und emotional anstrengende Gesellschaft zu finden. Der Einstieg kam sehr rasant, gleich gefolgt von einem Fall in den Prüfungsstress und auch in den Konflikt mit der vorherrschenden Ignoranz und Aggression.

Zwei Mal musste ich die Polizei über unangemessenen bzw. brutalen Umgang mit Tieren informieren. Ein Mann in einem Traktor transportierte in  Abtenau seinen nervös wirkenden Hund auf der Schaufel seines Traktors, was neben der Gefährdung für den Hund auch eine für entgegenkommende AutofahrerInnen darstellt. Ein genervter Fiaker schlug seine Pferde in aller Öffentlichkeit in der Salzburger Innenstadt. Keine Reaktion der anwesenden Menschen, nicht einmal entsetzte Blicke, alles völlig normal. Auch die Fiakerunternehmen wurden über das Verhalten des Wahnsinnigen informiert.

Aber in der Gesellschaft gibt es auch positive Ereignisse, wie die Antiburschenschafter Demo heute Abend. Um die 1000 Menschen nahmen an der Demo in Linz vom Bahnhof ausgehend über die Innenstadt teil. Begonnen hat es mit einer Rede, viele bekannte Gesichter aus dem Menschenrechts- und Tierrechtsbereich trafen ein, tolle Musik wurde gespielt. In Blocks, gebildet von verschiedenen Orgas und Initiativen, zogen schließlich alle los. Die Demo verlief wie erwartet friedlich, aber leider auch sehr leise, wie ich den Eindruck bekommen habe. Auf Demosprüche ist mensch zumindest im hinteren Teil der Demo kaum bis gar nicht eingestiegen, trotz der Versuche von meinem Partner und mir, und vermittelte so viel mehr den Eindruck eines gemütlichen Abendspaziergangs.

Ich kann stolz sagen, dass bei den Tierrechtsdemos, die hier und anderswo in Österreich organisiert werden, immer viel mehr überzeugende Motivation herrscht.
Nichtsdestotrotz halte ich die Antiburschiballdemo für ein wichtiges Ereignis, solange es Rechtsextremismus und den Burschiball gibt. Die Demo ist beinahe schon zur Tradition geworden, in der selbst ich mich wiederfinden kann. Deshalb waren auch einige TeilnehmerInnen aus dem Tierschutzbereich mit dabei, deren Flaggen für Menschen- und Tierrechte auch über die ganze Demo hinweg zu sehen waren.

Nachdem die Demo aufgelöst wurde, hat sich eine Gruppe von Menschen jedoch noch zusammengeschlossen, um zum Ballstandort zu gehen und angeblich Ballgäste zu stören. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht sicher, ob es zu Gewalt gekommen ist oder nicht. Ich hoffe zutiefst, dass es nicht so ist. Wir können nicht gewinnen, wenn wir versuchen, ein friedliebendes Ziel mit Gewalt umzusetzen. Mit Kreativität, Gewaltlosigkeit und viel Ausdauer können wir langfristig viel mehr erreichen.

Ein letzter Kritikpunkt, der erwähnt werden sollte, ist der Umgang mit Müll bei der Demo. Weggeworfenes Aufkleberpapier, Flyer und zertretene Dosen von DemoteilnehmerInnen waren leider sehr viele nach der Demo zu finden. Auch hier müssen wir noch eine bessere Vorbildrolle übernehmen.

Obwohl es immer viel Überwindung kostet, in den gesellschaftlichen Alltag zurückzukommen, kann ich nicht umhin, auch  viele positive Dinge und Veränderungen zu erkennen.

Demogespräch der Woche

MitstreiterInnen oder potentiellen MitstreiterInnen begegnet mensch immer wieder bei Versammlungen. Oft wird auch von einer möglichen Vernetzung gesprochen, um gemeinsame Ziele eher erreichen zu können.

Infotisch-Gespräch:

Greenpeace Mitarbeiter: Kennt ihr Leute unter euch, die bei uns mitarbeiten wollen?
Aktivistin: Kann sein, ich kann mal herumfragen.
Roland (Aktivist): Aber ihr könnts gern mal bei uns mitmachen, weil wir ja die selben Ziele verfolgen. Mit Veganismus schützen wir die Regenwälder vor der Rodung für Weideflächen und Sojaanbei für Nutztiere und die Ozeane vor Überfischung. Und wir sind auch beide von Repression betroffen. Einige Greepeace AktivistInnen wurden wegen Piraterie angeklagt und bei uns betrifft es einige AktivistInnen im Tierschützerprozess, die wegen schwere Nötigung angeklagt sind, weil sie Infotische angekündigt haben.
Greenpeace Mitarbeiter: Fleischkonsum ist schlecht?
Roland: Der Amazonas Regenwald wird hauptsächlich für Anbau von Futtermitteln für Nutztiere gerodet. Und die Hälfte des weltweiten Fischfangs landet auch in Futtertrögen. Genau das will Greenpeace ja verhindern.
Greenpeace Mitarbeiter: Ich muss gehen, weil ich mich gleich mit jemandem treffe.

Leider scheitert die Vernetzung in der Realität doch. Oft auch nur an kleinen Unterschiedlichkeiten.

Vegan: Trend oder Überzeugung?

TrendveganerInnen werden in manchen Kreisen gelegentlich kritisiert. Das seien unüberlegte Mitläufer oder sogenannte Flexitarier denen die Überzeugung für Tierrechte und Menschenrechte fehlt und die alles nur machen, weil Supermärkte gerade ihre neuen veganen Produkte bewerben.

Zweifellos nutzen Supermärkte die vegane Nachfrage als neue Geschäftsidee. Nutztiere sind profitgesteuerten Unternehmen gleichgültig, Produktnachfragen nicht. Verkaufen sie mehr von einem beliebten Produkt, können sie sich daran auch begeistern. Egoismus wird bei großen Konzernen immer weiter gesteigert, das ist bekannt. Massenproduktion- und Verkauf ist am profitabelsten, auch bekannt.
Massenproduktion an sich auszuschalten ist noch nicht möglich, denn das würde ein radikales Umdenken erfordern, zu dem eine Gesellschaft nicht von einem Tag zum nächsten nicht fähig ist.
Es kommt aber auch darauf an, welche Produkte in Massen produziert werden und wobei das wenigste oder gar kein Leid entstehen kann. Die Produktion von immer mehr Fleisch, Milch und Eiern  führ zweifellos zu mehr Leid, da Tiere auf immer engeren Raum mit immer mehr Medikamenten und Kraftfutter gefüttert werden, ihre Gesundheit vernachlässigt wird und schließlich werden sie am Fließband getötet. Dafür können ein paar Menschen Wurst, Käse, Schnitzel und Eiprodukte essen. Die restlichen Menschen werden dafür aber ihrer Nahrung beraubt, denn die Fleisch- Milch- und Eierlieferanten müssen erst mal selbst gefüttert werden und bekommen dazu Nahrungsmittel aus Ländern, die selbst zu wenig Nahrung haben. Die pflanzlichen Ressourcen, die für tierliche Massenprodukte verwendet werden müssen, sind enorm. Dazu kommen auch noch Pestizide und andere Umweltgifte.
Der Rest von dem Endprodukt am Teller ist das Nitrat im Boden und Wasser, gerodete Waldflächen und trockengelegte Moore.

Die Konsequenz, die immer mehr Menschen ziehen ist, darauf einfach zu verzichten und die pflanzliche Nahrung selbst zu essen, damit der Ressourcenvernichtende Umweg über Tierprodukte wegfällt. Aber ist die steigende Anzahl von VeganerInnen wirklich nur auf einen ausgeprägten Umwelt-, Tierrechts- oder Menschenrechtsgedanken zurückzuführen oder sind viele Menschen nur Mitläufer. Schon oft bin ich mit verschiedenen Menschen auf das Thema zu sprechen gekommen und habe erfahren, dass sie selbst oft vegane Sachen ausprobieren und offen sind. Ein erfreuliches Bild. Überzeugt sind sie aber nicht vom veganen Gedanken.
– Menschen wollen gerne dazugehören und akzeptiert werden. Von der einen Seite werden sie dann akzeptiert, wenn sie zumindest offen für neues sind, und von anderen werden sie dann akzeptiert, wenn sie nicht zu radikal überzeugt von dem Neuen sind. (Die vegane Lebensweise gibt es zwar schon länger (wenn auch nicht unbedingt unter diesem Namen), aber erst ab einer gewissen Anzahl von VeganerInnen rückt die Lebensweise dann für die Öffentlichkeit mehr ins Rampenlicht.)
– Menschen machen etwas dann lieber, wenn es auch leichter ist. Vegane Produkte sind inzwischen genug vorhanden. In so gut wie jedem Supermarkt gibt es gekennzeichnete vegane Aufstriche, Tiefkühlprodukte, Vurst, Pflanzenkäse, etc. In Biomärkten ist die Auswahl oft riesig. Viele Restaurants bieten inzwischen vegane Speisen an oder wissen zumindest, wie mensch sie zubereitet. Kein Problem also, mal schnell vegan zu werden.
– Menschen wollen von sich selbst denken, dass sie Gutes tun. Das „Gute“ wird natürlich unterschiedlich interpretiert. Es muss keine Überzeugung vorhanden sein. Ich kann auch einfach so tun als ob mich das Leid oder die Probleme von anderen interessieren, damit ich mich besser fühle.

Ein Trend kann also aus purem Egoismus entstehen, was meistens auch völlig zutrifft. Es kann sein, dass Mitlebewesen, die als Nutztiere gehalten und gegessen einigen TrendveganerInnen werden in Wirklichkeit beinahe oder völlig egal sind, und dass diese Menschen in 3 Jahren rückfällig werden und ihr Scheinmitgefühl aufgeben.

Möglicher Weise kann ein Trend aber auch die Augen öffnen und Einblick in eine Lebensweise ermöglicht, was aufgrund des Vorhandenseins der Produkte gewährleistet wird. Nach und nach ergibt sich auch der Einblick in die Hintergründe der veganen Ernährung, also auch in die Frage nach dem Warum? Ich habe selbst erst im Verlauf meiner Umstellung immer mehr Fakten gelernt und bin auf neue Informationen gestoßen. Auch als ich längst vegan gelebt habe, bin ich mir immer mehr Gründe dafür bewusst geworden.

Auch von Vegan Gegnern oder Leuten, die dem Konsum von Tierprodukten sehr gleichgültig gegenüberstehen, wird Veganismus gerne als Trend abgewunken, der bald wieder verfliegt. Auch ein Mitglied der Sea Shepherds, bei deren Treffen in OÖ ich auch vor kurzem war und von denen ich auch viel halte, ist sehr davon überzeugt. Ihr Schwerpunkt liegt auf Artenschutz, der besonders in den Ozeanen oft nicht sehr berücksichtigt wird. Illegale Schleppnetze, Robbenschlachtungen, Walfang, der über Hintertüren gerechtfertigt wird, sind dabei wichtige und erschütternde Themen. Der Schutz der Meere spielt bei Veganismus keine geringere Rolle. Wenn auch keine direkten, mutigen Aktionen und Konfrontationen mit Fischern vom Esstisch aus stattfindet, wird dennoch weniger Nachfrage für das Schlachten von Tieren erzeugt, für die zuvor über 50% des weltweiten Fischfangs als Futter dienen musste.
Der Vorteil direkter Aktionen, ist die Aufmerksamkeit und schließlich auch das Bewusstsein, das auf das Abschlachten von fühlenden Lebewesen und das Leerfischen der Meere gelenkt wird.
Der Vorteil an Veganismus ist, dass jede/r in den Ländern mit normaler Nahrungsmittelversorgung es machen kann. Dadurch steht der menschlichen Nahrungsmittelversorgung wiederum mehr Anbaufläche zur Verfügung.
Informationen, Konsumverhalten und Aktivismus rücken parallel zum veganen Trend immer mehr in den Vordergrund, was ermöglicht, dass TrendveganerInnen sich weiterbilden können und viele davon auch selbst aktiv werden wollen – zum Beispiel als Sea Shepherd und/oder als Advokat  für Tierrechte.

Mitgefühl, Frust und Motivation für TIERRECHTE, JETZT!

Wenn wir direkt mit den Opfern der politisch einflussreichen Tierindustrie konfrontiert werden, bewegt das oft nicht nur AktivistInnen, die sich regelmäßig für Tiere einsetzen.

Um die 300 Menschen trafen vergangenen Samstag zwischen 11 und 12 Uhr am Museumsplatz in Wien ein. Kurz vor 12 Uhr nahmen sie Aufstellung an. Als die OrderInnen den TeilnehmerInnen die Tiere in den Arm legten, die durch Menschen getötet wurden, herrschte am Platz beeindruckende und respektvolle Stille. Auch PassantInnen beobachteten die Aktion.

Die versammelten Menschen trauerten über Opfer aus der Fleischindustrie, insbesondere der Schweineindustrie, aber auch Hobbyjagdopfer, Fische, die in Netzen zu Tode gekommen sind, oder im Mülleimer gelandet und somit umsonst gestorben sind, einen Vogel, der in einem Schlagnetz gestorben ist, dass bei der der Tradition des Singvogelfangs im oö Salzkammergut verwendet wird, Opfer grausamer Experimente mit Tieren, die nach ihrer Verwendung im Labor entsorgt wurden, Lämmer, also Kinder, die nur geboren werden, um Tage darauf geschlachtet zu werden, Katzen, die ausgesetzt wurden, im Tierheim endeten und verendeten, Küken, die nicht älter als einen Tag mit CO2 vergast wurden und daraufhin tot oder lebendig im Mülleimer landeten, Legehennen aus Bodenhaltung, deren Gefieder großflächig fehlte und die ohne gesundheitliche Versorgung im Stall verendeten.

Die Zeit schien fast still zu stehen und anstatt den hastig herumirrenden Menschen, die sich dort sonst aufhalten, wurde der Platz von Mitgefühl und Trauer überschwemmt, was PassantInnen ebenso überwältigte, wie die TeilnehmerInnen selbst. Obwohl außerhalb der Aktion das Stadtleben, Verkehr, Einkaufswahn, Egozentrismus, etc. weiter ihren Lauf nahm, Tiere weiterhin durch Menschenhand sterben und nur als Ware wahrgenommen werden, hielten an diesem Ort die Menschen inne, trauerten über die Opfer und das eigene Konsumverhalten konnte reflektiert werden, da sich Menschen mit den „Nebeneffekten“ dieses Verhaltens konfrontiert sahen.

Jagdopfer

In Pinkafeld wurde im Frühling der Beagle Snoopy erschossen.
Der Famillienhund Fagus wurde im September im Wienerwald an der Schleppleine erschossen.
Vor einigen Tagen wurde wieder ein Hund in Traun erschossen.
Auch Katzen stellen für manche JägerInnen eine Bedrohung dar.
In Gaindorf gab ein Jäger öffentlich zu, auf alle Katzen zu schießen, die sich weiter als 300 Meter vom Wohngebiet entfernt aufhalten.

Eintagsküken

Sie werden mit dem falschen, unprofitablen Geschlecht geboren und können keine Eier legen. Sie werden auf dem Fließband aussortiert und getötet. Alle, die zu spät schlüpfen werden zerstückelt und entsorgt.

Heimtiere

Obwohl in Tierheimen mehr als genug Tiere darauf warten, von mitfühlenden Menschen mitgenommen zu werden, mehr Platz und Auslauf zu genießen und Freundlichkeit zu erfahren, werden Haustiere, besonders Katzen und Hunde weiter gezüchtet, um den ästhetischen Vorstellungen der Menschen zu genügen. Oft enden sie darauf im Tierheim, wenn Menschen kein Bedürfnis nach ihrem „Besitz“ mehr haben oder enden unkastriert auf der Straße und vermehren sich dort weiter.

Fische

Bei der Aktion “Tierrechte jetzt!” waren alle Tiere gleich bedeutend. Sie haben gefühlt und wollten leben. Bei Fischen wird kein Unterschied gemacht. Aufgrund ihres „unhübschen“ Aussehens und aufgrund ihrer (noch) hohen Anzahl, haben viele Menschen keine Vorstellung von ihnen als fühlend oder lebend. Es herrscht die Meinung, nur niedliche Tiere oder solche, die unseren Vorstellungen von „intelligent“ entsprechen, empfänden Schmerz. Sogar unter einigen VegetarierInnen existiert diese Meinung noch. Auch ich habe vor einige Jahren als Vegetarierin Fisch gegessen, da ich mir keine Zeit nehmen wollte, darüber nachzudenken, dass Fische nicht weniger Lebewesen sind. Für Haie hatte ich mehr Mitgefühl, da über diese öfter berichtet wurde als über Fische, die regelmäßig bei uns für Menschen getötet werden, und obwohl diese auch „nur“ Fische sind.
Bei der bewegenden Aktion am Samstag habe ich einen Fisch in den Händen gehalten und mich für meine frühere voreingenommene Annahme über die Gefühllosigkeit von Fischen entschuldigt.
Fische sind nicht weniger wert als süße, flauschige Eintagsküken.

Am Ende der Aktion, nachdem eine kurze Rede über die Opfer und das gesellschaftliche Verhalten gehalten wurde, gab es auch Applaus von ZuhörerInnen und ZuschauerInnen, die die Aktion verfolgt haben. Auch dieser Moment war sehr tröstend und motivierend, da diese Menschen zeigten, dass sie zuhören und versuchen, zu verstehen. Auch als die Tiere wieder eingesammelt wurden, blieben die TeilnehmerInnen noch eine Weile respektvoll stehen.

Obwohl viel Trauer auf dem Platz lag, ist es motivierend, viele mitfühlende Menschen versammelt zu sehen. Einige TeilnehmerInnen waren aus verschiedenen Ländern extra angereist und möglicher Weise entwickeln nach dieser Aktion noch weitere Menschen ein Bewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber schwächeren Lebewesen, deren Schicksal nur in unserer Hand liegt.

Sträflinge für NGO Arbeit!

Wieder versammelten sich Sträflinge auf der Linzer Landstraße, um darauf hinzuweisen, dass Zivilcourage sittenwidrig ist. Bei der Berufung im Tierschützerprozess gilt die Ankündigung von Infotischen und Demos als schwere Straftat, da Unternehmen, die in einer Demokratie das Sagen haben, damit bedroht werden.
So finden Menschen, die sich in verschiedenen Bereichen engagiert haben zusammen und zeigen öffentlich, dass sie selbst durch solche Ankündigungen von legalen Demonstrationen, zB vor Unternehmen, die Produkte aus Kinderarbeit verkaufen oder mit Waffen handeln, schwere Nötigung begangen haben. So wird es zumindest im OLG Urteil bezeichnet.
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Das Thema wird immer noch gern in die Tierschutzecke verdrängt, da es zur Zeit Tierschützer betrifft, die legale Infotische angekündigt haben. Dass davon weit aus mehr NGO Arbeit betroffen sein kann, ist aber nicht unwahrscheinlich. NGOs leisten durch Demonstrationen, Infotische und andere Aktionen viel Informationsarbeit und klären Menschen darüber auf, welche Unternehmen keine Produkte aus Kinderarbeit, umwetlschädlicher Produktion oder auch Tierqual verkaufen und welche schon, bzw. wie KonsumentInnen sich selbst einsetzen können. Für einige fragwürdige Geschäfte ist das bedrohlich. Menschen leben gerne informiert und legen Wert auf ethischen Konsum und Verhalten, auch wenn die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt werden. Insofern ist NGO Arbeit unverzichtbar.

Ziviles Engagement schützen statt politischem Desinteresse

Eine Hand voll Sträflinge versammelten sich am Samstag auf der Landstraße. Diese hatten alle gemeinsam, dass sie sich in der Gesellschaft für bestimmte Themen engagiert haben, indem sie bestimmte Unternehmen für fragwürdige Geschäfte kritisierten und zum Protest aufriefen.

So stellten sich die Sträflinge mit Schildern auf die Landstraße, auf denen z.B. zu lesen war „Ich habe AeroSpy zum Ausstieg aus dem Drohnenhandel aufgefordert und eine legale Kampagne angekündigt – schwere Nötigung?“ oder „Ich habe Sport Eybl darüber informiert, dass ich dort nicht mehr einkaufe, wenn sie weiterhin Pelz verkaufen – gefährliche Drohung?“ Laut OLG-Urteil handelt es sich wohl tatsächlich um schwere Straftaten, denn bei beiden Beispielen könnte das Vermögen bedroht werden, das offenbar dem Gewissen und der Demonstrationsfreiheit übergestellt wird. Von den genannten Grundrechten ist aber im OLG-Urteil kaum die Rede. Sogar bei Streiks müsse überprüft werde, ob es sich möglicher Weise um schwere Nötigung handelt.

Viele PassantInnen blieben stehen, um die Schilder zu lesen und nahmen gerne Infomaterial über die Kriminalisierung von NGO Arbeit und andere Themen entgegen.

Von einigen wurde auch bemerkt, dass das Interesse von BürgerInnen, wählen zu gehen oder auch ziviles Engagement zu zeigen immer weiter sinkt.
Obwohl lange für Demokratie und Demonstrationsfreiheit gekämpft wurde, wollen zunehmend viele Menschen diese Gelegenheit nicht mehr wahrnehmen (so gibt es inzwischen sogar eine Monarchisten Partei). Wählen ist zwar bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, sich aktiv für ein Thema zu engagieren, aber dennoch sinnvoll, denn vergeudete Stimmen können Ausbeuter- bzw. Diskriminierungs-Parteien zukommen. Wenn die wichtigsten Ministerien von solchen besetzt sind, müssen wir auch mit Skandalen, Korruption und Profitmaximierung auf Kosten anderer rechnen.

Menschen, die noch Verantwortung übernehmen wollen und sich zusätzlich anderweitig in verschiedenen Bereichen einsetzen, wie solche, die legale Demonstrationen ankündigen, um auf die schädliche Geschäftspolitik mancher Unternehmen hinzuweisen, können sich aber anscheinend aufgrund dessen der schweren Nötigung schuldig machen. Im zweiten Tierschützerprozess geht es dabei konkret um den Ausstieg aus dem Pelzgeschäft, der für Unternehmen, die nicht nur mit Pelz Profit machen, durchaus möglich ist. Gibt es keine meist ehrenamtlich Engagierte Menschen, können KonsumentInnen nicht informiert werden und greifen oft versehentlich zu unethischen Produkten. Auch wenn es um andere Themen geht, wie z.B. Kinderarbeit. KundInnen wollen informiert werden, aus welchen Bedingungen ein bestimmtes Produkt stammt und ob dafür andere leiden mussten.
Wenn nun bereits schon die Ankündigung solcher Informationskampagnen kriminalisiert wird, dann wird dies aber verunmöglicht.

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Damit Verantwortungsbewusstsein durch wohlgemerkt legales ziviles Engagement auch legal bleibt, wird es in den kommenden Wochen noch weitere kreative Aktionen, ähnlich der Sträflingsaktion am Samstag, auf der Landstraße und in ganz Österreich verteilt geben. Bei einer Petition kann jede/r dieses Anliegen vor Ort und zusätzlich auch online unterstützen:

http://vgt.at/actionalert/demokratie/index.php

www.sittenwidrig.at