Fleisch Propaganda

Ein AMA Hühnerbetrieb in der Steiermark, der als Bodenhaltung eingestuft ist: Ausgestaltet mit kleinen Käfigen, Tiere drängen sich auf engstem Raum, aber die Betreiber sehen selbst das nicht als Tierquälerei. An der Wand hängt ein Schild, das beinahe makaber ist: „Zutritt verboten, hier leben wertvolle Tiere“.
Ein Blick in die mit toten Hühnerkörpern gefüllten Mülltonnen und in die düstere und enge Käfig-Bodenhaltung verrät das genaue Gegenteil. Mehr dazu gibt es hier zu lesen:
Solche Bilder zeigt AMA in ihrer Werbung nicht, obwohl enge Ställe oder Käfige, Verletzungen und monotones Dasein der Alltag für die meisten Hühner ist.
Stattdessen werden den KonsumentInnen Werbesprüche für Fleisch in den Mund gelegt und in Medien Propaganda verbreitet, in der von der Qualität der Massentierhaltung geschwärmt wird. Werbung funktioniert dann am besten, wenn man die Wahrheit gut verstecken und umgehen kann. Geht es ihnen wirklich um Effizienz und Nachhaltigkeit?:
In den Ausgaben vom 12. April geht es beispielsweise um die Futtermittelqualität für Schweine in Österreich. Diese sei so gut, dass auch Menschen das Getreide und Soja essen könnten.
Das sollten sie auch! Durch die Verfütterung pflanzlicher Nahrung an „Nutztiere“ gehen Kalorien verloren, da nur ein geringer Teil der pflanzlichen Kalorien und tierliche umgewandelt wird. Mensch kann also von Nahrungsmittelverschwendung reden. Die AMA beschreibt es viel mehr als effiktive Nahrungsverwertung, wenn für Schnitzel, Schweinsbraten, Leberkäs, etc. riesige und vielzählige Flächen Futter angebaut werden muss, das vielen vielen Menschen als Nahrungsmittel dienen könnte. Selbst die von Supermärkten täglich weggeworfenen, „abgelaufenen“ Produkte sind dagegen wenig Nahrungsmittelverschwendung.
Aber AMA Werbung für pflanzliche Nahrungsmittel ist viel seltener.
Schöne Bilder anstelle der Realität sind natürlich auch in der AMA Propaganda vorzufinden. Das macht es für Menschen schwer, hinter den Vorhang zu blicken. Die Bilder, die durch regelmäßige Recherchen ans Tageslicht gelangen, zeigen wie es wirklich aussieht, sind aber für die Öffentlichkeit oft schwer zu glauben. Es ist tatsächlich kaum vorstellbar, wie viele Tiere Tag ein Tag aus leben müssen. Aber mit Geld kann man leicht überzeugen. Geld kann die Wahrheit langanhaltend verdecken.

Demogespräch der Woche

Ein Jurist kommt zum Tierschutzinfotisch in Linz.
Jurist: Kann man da gegen den Tierschützerprozess unterschreiben.
Aktivist: Es gibt eine Petition an den Nationalrat, um das Strafgesetzbuch, insbesondere den Nötigungsparagraphen, demokratieverträglicher und präziser zu formulieren.
Jurist: Unbedingt!
Aktivist: Im ersten Tierschützerprozess war es der Mafiaparagraf, jetzt ist es der Nötigungsparagraf, der gegen friedliche Demonstrationen angewendet wird. Die guten Sitten an sich sind etwas sehr unpräzises, das können RichterInnen auslegen wie sie wollen.
Jurist: Ja, das und sehr viel anderes ist vom Privatrecht ins Strafrecht übernommen worden.
Aktivist: Zum Beispiel, dass Tiere als Sachen gelten.
Jurist: Ich weiß noch, wie das in den 80er Jahren diskutiert wurde. Das Ziel war es, was Tiere betrifft, etwas zu ändern, aber so, dass alles beim Gleichen bleibt. Und jetzt steht im ABGB, dass Tiere zwar keine Sachen sind, aber eigentlich doch wie Sachen behandelt werden dürfen.

Wieder ein sehr aufschlussreiches Gespräch.
Eines von vielen positiven Gespräch an warmen Frühlingstagen, an denen Motivation und Mitgefühl in einigen wieder neu erwachen.

 

 

Gewalt als Lösung für Gewalt

Vor kurzem kursierte ein Video von einem Gewalttäter, der einen kleinen Hund mehrmals ins Gesicht schlägt, weil ihm dieser noch nicht stubenrein genug ist. Daraufhin muss er nun selbst fürchten, Opfer von Gewalttätern zu werden. Ist das fair?
Diese Frage scheint wohl sehr einfach zu beantworten. Ein junger Mann schlägt ein Lebewesen, hat keinen Grund und kein Mitleid, aber offensichtlich Aggressionsprobleme. In dem Video wurden Drohungen ausgesprochen und ein hilfloser Hund misshandelt. Was hat er anderes verdient, als ebenfalls gequält zu werden? Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Die Empörung daraufhin begann mit einer Petition an die Staatsanwaltschaft, den Gewalttäter hart zu verurteilen. Innerhalb kurzer Zeit wurden auf facebook auch Gruppen gegründet, die harte Strafen forderten bis hin zur Forderung nach der Todesstrafe für den Tierquäler. Die entsprechende Gruppe ist auch noch auf facebook zu finden. Unter den Kommentaren sind hauptsächlich schwere Beleidigungen, die aufgrund der Tierquälerei nachvollziehbar sind, aber dabei bleibt es nicht. Es kommt zur Androhung von Gewalt, Folter und Mord. Zusätzlich wird die Adresse des Täters von mehreren Personen veröffentlicht und zur Gewalt aufgerufen.
Die genannten Kommentare sind nicht nur strafrechtlich relevant, sondern auch ethisch bedenklich.
wahnsinn_hinrichten
(Quelle: Facebook)

Wut als Reaktion auf sinnlose Gewalt gegen ein hilfloses Tier ist nachvollziehbar. Die Wut wird noch zusätzlich durch das Wissen gesteigert, dass Tierquälerei oft kaum bestraft wird. Theoretisch kann ein Tierquäler in Deutschland bis zu 3 Jahren Gefängnis bestraft werden – in Österreich nur bis zu einem Jahr – aber meist fällt die Strafe viel geringer aus. Manchmal ist Tierquälerei auch nur Sachbeschädigung (wenn Gewalt an einem fremden Tier verübt wurde).
Menschen reagieren also sehr aufgebracht, weil wir wissen, dass Tiere in der Gesellschaft als Sachen gelten und es oft allein deshalb zu Gewalttaten gegen Tiere kommt. Die Täter schädigen ja nur eine Sache.

Weil wir aber dieses System nur sehr langsam ändern können – da die konservativen Kräfte zu stur sind- bekommen viele das Gefühl, Gerechtigkeit selbst in die Hand nehmen zu müssen, da Recht nicht genug ist.
Die Interpretation von „gerecht“ scheint teilweise aber sehr ambivalent, wenn Menschen den Begriff mit Gewaltlosigkeit in Verbindung setzen und gleichzeitig mit Gewalt reagieren.
Wenn wir Gewalt hassen, wie ist es nachvollziehbar, mit Gewalt zu antworten?

Wenn wir verständlicher Weise in dieser Situation Wut empfinden, fällt es nicht sehr leicht, sich die Frage zu stellen, ob die Aufforderung zu Gewalt bis hin zur Todesstrafe wirklich konstruktiv für die ethische Entwicklung der Gesellschaft ist. Tun sollten wir es dennoch, denn die ethische Entwicklung bis hin zum Verbot der Todesstrafe hat lange genug gedauert.

Es gibt jedoch Petitionen, die zu härteren Strafen wegen Tierquälerei auffordern, ohne dabei den Rahmen der EMRK zu verlassen.
http://www.tierschutz4all.de/2014/03/petition-haertere-strafen-fuer-tierquaeler-ein-tier-ist-keine-sache/
https://www.openpetition.de/petition/online/haertere-strafen-fuer-tierquaeler-ein-tier-ist-keine-sache
http://www.activism.com/de_DE/petition/aufruf-haertere-strafen-fuer-tierquaeler/12433

Demogespräch der Woche

Am vergangenen Samstag wurde der Infostand, im Rahmen einer Demonstration gegen Pelzverkauft bei Eybl, von einem leicht angeheiterten Schweinebauern besucht, der eine Weile die AktivistInnen unterhielt.

Schweinebauer: (lallt) Des is jetzt genau der Stand, der gar net zu mir passt.
Aktivst: Aha?
Schweinebauer: (lallt) Wir ham ja selber an kloan Betrieb. Ungefähr 1000 Schweine.
Aktivist: Das ist doch nicht klein.
Schweinebauer: (lallt) Wissens, die großen Betriebe kriegn immer so viele Subventionen. Die kleinen, oiso wir, kriegn nur gonz wenig.
Aktivist: Ja, die ÖVP unterstützt diese Tierquälerei mit Subventionen.
Schweinebauer: (lallt) Die ÖVP kennans vergessn. Des sin Verbrecher, die sin schlimmer ois de Blauen. Den Unabhängigen Bauernverband müssns wählen. Und die kloan Bauern unterstützn.
Aktivst: Ich hab einen Freund, der selber Schweinebauer war. Der ist aber umgestiegen auf Getreideanbau. Jetzt muss er sich aus Frust und schlechtem Gewissen auch nicht mehr besaufen, weil er jetzt statt Leichenteilen, Brot produziert und verkauft.

Obwohl der Besuch eines Betrunkenen am Infotisch immer sehr anstrengend ist, wird mensch manchmal trotzdem aus angesoffenen Infotisch-Schwaflern schlau. Ein Betrieb mit 1000 Schweinen gilt als kleiner Betrieb in Österreich. Wenn in Statistiken also von kleinen Betrieben die Rede ist, sollte man die Definition von „klein“ an sich schon hinterfragen.

Zweite Selbstanzeigenwelle: Ist die Ankündigung legaler Demonstrationen schwere Nötigung oder nicht?

Nachdem die 3000 Selbstanzeigen wegen schwerer Nötigung aufgrund von Ankündigung legaler Kampangnen zurückgelegt worden sind, gibt es ab heute eine weitere Selbstanzeigenwelle.

Die SelbstanzeigerInnen hatten zuvor eine E-Mail an Eybl gesendet, um das Unternehmen zum Pelzausstieg aufzufordern. Sie haben sich ebenfalls bereit erklärt, an den angekündigten friedlichen Demonstrationen teilzunehmen und andere Menschen über den Pelzverkauf bei Eybl zu informieren.

Laut Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt sei dabei die Ernstlichkeit nicht gegeben. Bei dem Angeklagten im Tierschützerprozess sei die Ankündigung hingegen schon ernst zu nehmen. Der Angeklagte hatte friedliche Aktionen gegen den Pelzverkauf bei Fürnkranz und Kleider Bauer angekündigt. Die Absicht war für den Angeklagten und die SelbstanzeigerInnen also die gleiche.
Die Kampagne gegen den Pelzverkauf bei Eybl hat bereits in der angekündigten Form begonnen, weshalb die Ernstlichkeit gegeben sein sollte. Gegen Fürnkranz hingegen gab es nie eine Kampagne, trotz Ankündigung. Daraus müsste man schließen, dass hier die Ernstlichkeit nicht gegeben sei. Widerspricht sich die Staatsanwaltschaft selbst?

Es wird weiters ohne Begründung behauptet, dass die SelbstanzeigerInnen nur „vorgeblich“ handelten, obwohl sie sich auch bereit erklärten an legalen Aktionen gegen den Pelzverkauf aktiv teilzunehmen. Es fragt sich, wer aus Spaß Selbstanzeige erstatten würde, wenn doch schwere Nötigung  mit 5 Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Und weil der Wortlaut der E-Mails der SelbstanzeigerInnen angeblich zu vorsichtig war, gibt es nun einen neuen Entwurf für die E-Mails an Eybl und für eine neue Selbstanzeige. Obwohl die SelbstanzeigerInnen der Meinung sind, dass Ankündigung legaler Demonstrationen keine Straftat ist, muss das gleiche Recht für alle gelten. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt behauptet zwar, dass die Anklage der schweren Nötigung laut OLG-Urteil viel schwerwiegender sei, aber tatsächlich handelt es sich dabei um die gleiche Tat, die auch NGOs und die 3000 SelbstanzeigerInnen begangen haben. Gilt der Gleichheitssatz in Österreich noch?

http://vgt.at/actionalert/selbstanzeige/aufruf.php

Macht und Verantwortung

Die Wahrheit wird oft verschwiegen, denn die Wahrheit bringt oft Unannehmlichkeiten, schlechtes Gewissen oder Profiteinbuße. Einflussreiche Konzerne oder Personen, die im öffentlichen Interesse stehen, haben wie “normale” Menschen die Möglichkeit zu sprechen, zu lügen oder zu schweigen. Mit der Wahl, die sie treffen, können sie jedoch oft viel mehr bewegen, und sie haben die Wahl die Richtung der Bewegung zu wählen.
Aus genannten Gründen fällt die Wahl leider oft nicht auf die Wahrheit.
Wenn eine Person oder Organisation an Macht gewinnt, sinkt die Motivation die (ganze) Wahrheit zu sagen. Das geschieht beinahe schon unausweichlich. Dennoch ist es für eine ethisch handelnde Gesellschaft ebenso unausweichlich, sich wieder zu motivieren, nach den Tatsachen zu suchen und diese nicht zu verschweigen. Wir alle, aber besonders Konzerne, Organisationen, Politiker, etc. tragen diese Verantwortung.
Im folgenden ein offener Brief eines Tier- und Umweltschutzaktivisten, der genau an diese Verantwortung erinnern will:

 

Nach eigener Darstellung ist Greenpeace eine unabhängige Organisation, die sich seit Jahren weltweit einsetzt für den Schutz der Regenwälder, der Meere, des Klimas, der Umwelt allgemein, und dieses Jahr schwerpunktmäßig für die Bienen. Doch jedes mal, wenn ich von Mitarbeiter_innen von Greenpeace entweder auf der Straße angesprochen oder am Telefon angerufen wurde, ging es ihnen immer nur um Dauerspenden.

Und jedes mal, wenn ich die sympathischen, jungen, eloquenten Umweltschützer_innen darauf angesprochen hatte, ob sie wüssten: wofür der Großteil des Amazonas-Regenwaldes eigentlich gerodet wurde? was mit der Hälfte des weltweiten Fischfangs eigentlich geschieht? was laut FAO-Bericht 2006 für 18% und laut Worldwatch-Report 2009 für 51% aller menschengemachten Klimagase, und was laut Footprintrechner für etwa 1/3 des ökologischen Fußabdrucks der Menschen der Industrienationen eigentlich verantwortlich ist? warum Mais mit Neonicotinoiden gegerbt wird, bzw. warum es so viele Mais-Monokulturen gibt, bzw. wer eigentlich den ganzen Mais isst, oder wo denn der Großteil der Nitrate, Antibiotika und anderen Chemikalien im Grundwasser her kommen? – Schweigen, Erstaunen, Überraschung, in manchen Fällen sogar Abstreiten oder gar offene Aggression und Abkehr vom Umweltschutz.

  • Für alle, die die Antworten auf diese Fragen ebenfalls noch nicht kennen: Die gerodeten Gebiete des Amazonas-Regenwaldes wurde zu fast 70-80% für Weideflächen und zu fast 20-30% für den Anbau von Soja für Exportfuttermittel zerstört. Österreich importiert jährlich hunderttausende Tonnen Gensoja aus gerodeten Regenwäldern für die heimische Tierindustrie. Die Hälfte des weltweiten Fischfangs wird zu Fischmehl verarbeitet an Tiere verfüttert. Die Tierhaltung ist laut FAO-Bericht 2006 für 18% und laut Worldwatch-Report 2009 für 51% aller menschengemachten Klimagase sowie laut Footprint-Rechner für etwa 1/3 des gesamten ökologischen Fußabdrucks der Menschen der Industrienationen verantwortlich. Die Mais-Saat wird mit dem Nervengift Neonicotinoid gegerbt, um den Maiskolbenbohrer, der sonst große Teile der Mais-Monokulturen auffressen würde, zu vergiften. Mais wird in Österreich fast ausschließlich für die Schweinemast angebaut. Da Lebensmittel, wenn sie von Lebewesen gegessen werden, zum Großteil in Atemluft, Kot, Harn und Knochen, und nur zu einem geringen Anteil in Muskelfaser (bzw. im Fall der Milch- und Eier-Industrie in Muttermilch und Eier) umgewandelt werden, benötigt die Schweine-Industrie (ebenso die Milch- und Eier-Industrie) riesige Mengen an Lebensmitteln. Der einzige Weg, diese Unmengen an Lebensmitteln zu produzieren, sind (neben Futtermittelimporten) Monokulturen. Sogenannte Schädlinge, wie etwa der Maiskolbenbohrer, sind die natürliche Reaktion gestörter Ökosysteme auf Monokulturen. Da ein Großteil der verfütterten Lebensmittel in Kot und Harn umgewandelt wird, ist die Tierindustrie der Haupt-Emitent von Nitraten. Da es mehr Schlachttiere als Menschen gibt, und da diese Tiere schnell wachsen (bzw. viel Muttermilch und Eier produzieren) müssen, verbraucht die Tierindustrie mehr Antibiotika als alle Menschen zusammen. Da die Haltungsbedingungen dieser intelligenten (Nutz-)Tiere sich in einer kapitalistischen Welt nicht an den Interessen der Tiere orientieren können, werden viele von ihnen körperlich krank oder einfach verrückt, was mit Medikamenten und Psychopharmaka billig behandelt wird. All diese Probleme sind völlig unnötig, weil eine gut geplante pflanzliche Vollwertkost (vegan) für alle Menschen geeignet und wesentlich gesünder ist.
    Quellen: http://www.fao.org/newsroom/en/news/2006/1000448/index.html

    http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf

    http://www.footprint.at/
    http://www.ages.at/ages/ernaehrungssicherheit/gvo/soja-futtermittel/

    http://www.statistik.at/web_de/statistiken/land_und_forstwirtschaft/preise_bilanzen/versorgungsbilanzen/

    http://www.vegan.at/umwelt/index.html
    http://www.provegan.info/de/studien/

Greenpeace hätte als weltweit anerkannte Umweltschutz-Organisation mit Abermillionen von Spendern und Spendengeldern so viel Macht, um die Umwelt-vernichtende Ignoranz der Menschheit zu überwinden, und durch gezielten Druck auf die Regierungen beispielsweise Umweltsteuern statt Milliardensubventionen für eine Tierindustrie zu bewirken, die sinnloserweise die Ressourcen dieses Planeten verschlingt und zerstört und unser aller Lebensgrundlage bedroht.

Ich bitte daher alle Umweltschützer_innen, die positiven Kräfte innerhalb von Greenpeace durch kritische Anfragen bei der Servicezentrale von Greenpeace CEE zu bestärken, damit sich alle Mitarbeiter_innen von Greenpeace ihrer persönlichen Verantwortung durch ihre Ernährungsgewohnheiten bewusst werden, und die gesamte Organisation sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als weltweit größte und renommierteste Umweltschutzorganisation bewusst wird, und sich endlich dazu durchringt zum Schutze des Planeten auch etwaige Spendeneinbußen hinzunehmen.

service@greenpeace.at
Telefonisch: +43 (0)1 545 45 80 (Mo-Do 9:00-17:00; Fr 9:00-13:00)

Braucht Aktivismus eine Strategieänderung?

Ethik, Moral und Mitgefühl stehen bei Themen um Menschenrechte und Tierrechte im Vordergrund. Mitgefühl macht uns selbst vom Leid anderer betroffen und wir wollen auch andere darauf aufmerksam machen.

Vor Mitgefühl kann mensch sich aber auch einigermaßen leicht verschließen, weil es immer noch die Gegenspieler Bequemlichkeit und Egoismus gibt. Das ist nicht neu. Daher wird von vielen im Tier- und Menschenrechtsbereich aktiven Menschen erst recht besonders moralisiert und an das Mitgefühl appelliert. Es ist natürlich schwer zu messen, in welchem Maß es funktioniert. Aufgrund des oftmals ausbleibenden Effekts kann aber angenommen werden, dass diese Strategie meist nicht so erfolgreich ist, wie erwünscht.
Christine Bauer-Jelinek schreibt in ihrem Buch „Die geheimen Spielregeln der Macht“, dass an das Gewissen zu appellieren in dieser Gesellschaft keine Auswirkungen haben wird. In unserem System sind bereits andere Werte wichtiger. Menschen müssen sich selbst vermarkten und gut verkaufen können, um erfolgreich zu sein und Ziele durch zu setzen. Der Protest dagegen sei nicht immer sinnvoll. Der Druck auf Menschen, sich selber zu verkaufen, steigt auch immer weiter, da es anderenfalls sogar unsere Existenzgrundlage gefährden könnte.
Es macht den Eindruck, dass auch Menschen, die im Bereich Tier- und Menschenrechte aktiv sind, sich diesem Vorgehen anpassen müssen.
Gibt es dabei auch einen Mittelweg, bei dem mensch sich nicht vollständig sozialen Erwartungen hingeben muss?

Menschen, deren Leben auf Karriere, Geld und vor allem den eigenen Interessen beruht, werden sich nie durch moralische oder emotionale Botschaften beeindrucken lassen, sondern nur durch etwas, das ihnen einen Vorteil schafft – zB eigene Gesundheit, Ansehen, Aussehen, etc.
Menschen, denen „ernsthaftes“ Aussehen wichtig ist (sind meistens schnell zu erkennen), werden weniger auf Menschen reagieren, die sich alternativ kleiden, oder chaotisch wirken.
Menschen, denen Tradition wichtig ist, werden ebenfalls nicht auf Leute reagieren, die sich als Gegner von Tradition zeigen.
Also ist ein sehr bedeutsamer Aspekt ist also auch so eine Kleinigkeit, wie die Kleidung.

Ich habe es vor der Jägerballdemo gewagt, in dem Ankündigungstext einen Dresscode vorzuschlagen – nämlich seriöse Kleidung, wobei die Definition sehr weitläufig war. Sogar das scheint eine kleine Protestwelle ausgelöst zu haben. Menschen tendieren aufgrund des Aussehens zu urteilen, daher war es meine Absicht, diese Oberflächlichkeit, besonders der eher konservativ gesinnten Menschen, für den eigenen Vorteil zu nutzen.
Da es sinnvoll ist, Vorurteile und Denkschema der Gegenseite zu kennen, kann es eine ebenso sinnvolle Strategie sein, das auszunutzen.

Ob es generell sinnvoll ist oder nicht, für Aktivismus mehr auf die Oberflächlichkeit und auf die „Werte“ mancher Menschen einzugehen und sich mehr oder weniger als einer  von ihnen  auszugeben, kann ich nicht eindeutig feststellen. Dafür gehen wir einen Kompromiss zwischen manchen Verhaltensweisen, die unsere Persönlichkeit ausmachen, und dem erwarteten Verhalten ein, aber gehen dafür keine Kompromisse bei unserem Anliegen ein. Positive Effekte kann es auf jeden Fall – erfahrungsgemäß – haben. Da zumindest Kleidung für die eigene Persönlichkeit ohnehin keine allzugroße Bedeutung haben sollte, ist es nicht schwer, bei der Bekleidung alleine Kompromisse einzugehen.

Das äußere Erscheinungsbild von Aktivismus und AktivistInnen ist aber abhängig von der Zielgruppe.  So uniform sind die Menschen in unserer Gesellschaft noch nicht geworden. Wir sollen uns zwar nicht selbst verleugnen, um anderen besser zu gefallen, aber viel wichtiger, als Äußerlichkeiten anzupassen ist es, zu lernen, auf das Gegenüber individuell einzugehen und die Argumente entsprechend individuell zu formulieren. Nach verschiedenen Diskussionserfahrungen lernt mensch, das Gegenüber besser zu lesen und erkennt bald früher, welche Strategie am geschicktesten sein könnte.