Eine Woche ist nicht annähernd genug Zeit, um alle Tiere und die ganze Arbeit im Tierparadies Schabenreith kennen zu lernen, aber für eine so kurze Zeit bietet es trotzdem erstaunlich viele neue Eindrücke und Erkenntnisse.
Es war noch unsicher, was wir eigentlich machen sollen in Schabenreith – gemeldet haben eine Freundin und ich uns fürs Mithelfen, weil die brauchen ja sicher immer Unterstützung. Am besten zu zweit, weil so noch mehr geholfen werden kann. Zeit für eine Einschulung hat zwar niemensch dort, aber wir wollten einfach so weit helfen, wie möglich.
Am Eingang ein wildes und lautes Durcheinander an Hunden, die uns begrüßen. Man kennt sich ja noch nicht so gut. Michi freut sich, Nougat will Stöckchen spielen, Kuki will der Chef sein, Michi will jetzt auch Stöckchen spielen, aber Draculina klaut es ihm (es ist ihr viel zu groß), Benny ist skeptisch und knurrt, weil wir verdächtige Rucksäcke haben, Zwickizwacki bellt Nougat an, Cathena will was futtern, Shalom will auch mitmischen, aber leider verträgt er sich nicht gut mit anderen Hunden bei bestimmten Berührungen. Grundsätzlich spielt es sich so oder so ähnlich immer ab, wenn es die Gelegenheit gibt, Aufmerksamkeit zu bekommen. Jeder kann seinen Charakter ausleben, jeder bekommt individuelle Zuwendung dort.

Sich für Gäste Zeit nehmen und gleichzeitig die ganze Arbeit zu schaffen ist sicher oft ein schmerzhafter Spagat vom Zwerg bzw. dem General, also der Chefin. Richtig bewusst wird einem das erst, wenn mensch die Arbeit selbst erleben kann.
Die zwei angestellten Tierpflegerinnen dort erklären, was es alles in der Katzenlounge, bei den Hundebetten, im Stall, beim Ausmisten, Transport, etc. zu tun gibt. Anfangs machen wir die Arbeit nie alleine, es kann zu viel passieren.
Ein wildes Durcheinander in der Katzenlounge… alle gleichzeitig streicheln, damit keiner zu kurz kommt. Zuerst ist es unmöglich, irgendetwas zu säubern, weil so viel Schmusigkeit einfach überwältigend ist. Die paar schüchternen Katzen, wie Biscotti, Lyrik und Herrn Fielmann, der nur eine Auge hat, lerne ich erst mit der Zeit kennen. Die vielen Klos reinigen, staubsaugen und wischen ist dort eine besondere Herausforderung – hockerlt man sich zum Katzenkisterl putzen hin, springen Nr 17 und Lutz sofort auf den Schoß, geht so also nicht, dann lieber bücken… nur dass kurz darauf 3 Katzen auf den Rücken springen und tiefe Kratzspuren hinterlassen, also zurück zur ersten Variante.
Der Wischmop ist ein super Ersatz für eine Maus und der Staubsauger wird angefaucht, danach aber nicht weiter beachtet.

Ich habe vollstes Verständnis für die Sorgen vom Zwerg, wenn es Besuch bzw. freiwilliger HelferInnen gibt. Es kann durch kleinste Fehler, wie das offen lassen einer Tür so viel passieren und ist es auch schon mehrmals. Das lag wahrscheinlich nie in der Absicht der Verantwortlichen, aber bei sich zuhause trägt mensch diese Sorgen und Verantwortungen oft nicht und achtet daher wenig darauf (wer hat schon 450 Tiere bei sich zuhaus?). Würde die Katzenlounge nicht richtig verschlossen, dann kann das unter Umständen Leben kosten. Das gilt auch für alle anderen Türen.
Mauserl ist ein ca. 8-jähriger, sehr großer, lieber Kangal, der sich so sehr über Besuch freut, dass einen die Freude umhauen kann, dazu genügt schon ein Schups mit einer Pfote. Vor dem Spaziergang mit ihm war ich etwas nervös, da ich ihn niemals, trotz regelmäßigem Training, halten könnte, wenn er eine andere Richtung bevorzugt, wie ich. In Wirklichkeit ist er aber ein unglaublich rücksichtsvoller Hund…oder Bär, ich war mir nicht ganz sicher.

Zu den wichtigen, hygienischen Maßnahmen gehört das Ausmisten nun mal, und weil das im tiefsten Winter nicht überall gemacht werden kann, sammelt sich über die Monate einiges an. Demensprechend lange und dreckig ist der Prozess im Frühjahr. Hätten uns Amicelli, die Gosinger Ziege und Dalei, das Lama, nicht ständig abgelenkt, dann wäre es aber trotzdem schneller gegangen. Dem Dalei wird zwar nachgesagt, dass er gerne spuckt, aber eigentlich will er nur Bussis und ist dann auch sehr freunlich. Amicelli, der aus Gosau kommt (so wie ich) und nach Schabenreith gekommen ist, weil er angeblich zu aggressiv wäre, kämpft einfach gerne mit Mistgabeln, was es unter Umständen schwierig macht, diese zum Ausmisten zu nutzen.
Nach ein paar Tagen war ich dann alleine und erledige auch immer mehr Aufgaben alleine – hauptsächlich putzen, Decken wechseln, Gießkannen und Heusäcke füllen und schleppen, Futter vorbereiten, Igel füttern, Hasen mit Essen, Wasser und Medizin versorgen, etc.
Gießkannen mag Abbado anscheinend besonders gerne, weil davon werden mir in kurzer Zeit gleich 3 geklaut – Abbado ist übrigens ein Pferd mit einem schlechten Ruf.
Es wäre alles einfacher ohne das Eis. Zwar hab ich die Schneezeit in Schabenreith nicht so sehr miterlebt, aber dafür die Eiszeit. Es gibt Tage, da stürmt und schüttet es und trotzdem ist es notwendig, klatschknass, wie mensch ist, die Heusäcke den Hügel übers Glatteis mit Gummistiefeln zu tragen. An der Tür zu den Ziegen, Schafen und zu Dalei angekommen, wollte ich mich nur für 5 Sekunden erholen, aber eine der beiden Kampfgänse nutzt die Gelegenheit, um mich durch den Zaun in das Bein zu zwicken. Als wäre es nicht schwer genug gewesen! Kaum ist die Türe offen, stürmen mir 3 der Ziegen, Stefan, Helene und eine mir noch unbekannte Kollegin entgegen, um das frische Heu zu kosten.
Es gibt aber auch weniger angenehme Dinge, die in Schabenreith passieren können, wie zB am Eis auszurutschen und ins nächste Pferdehäufchen zu fallen, aber egal, das Gewand ist eh Schabenreith-tauglich.
Entspannt hab ich mich später einige Minuten im Hasenstall, bevor der kleine Zwilling, eine Arthrose Patientin, ihre Medizin bekommen hat. Zumindest sie ist brav und möchte sich anschließend sogar noch streicheln lassen.
Fast jeden Tag finden Fahrten zur Tierärztin statt. Manchmal nur 5 Tiere, manchmal eine Tierrettung und einen PKW voller Tiere. Ein paar sind sehr entspannt und pflegeleicht, andere…nicht. Fühl dich ruhig angesprochen, Nougat! Und Maroni, ich dachte, du wärst eine Schmusekatze, kein Löwe. Der hübsche Truthahn, neben dem ich im Auto sitzen durfte, hatte immerhin ein gutes Benehmen.
Was leider auch manchmal dazugehört, ist das Einschläfern. Ursi und der Zwerg haben es schon oft geschafft, Tiere zu retten, die andere aufgegeben haben. Aber das geht leider nicht immer…
Während meiner Woche mussten Manfred, Luzifer und die kleine Picknick von uns gehen. Picknick war noch jung, war gemeinsam mit ihren Geschwistern als Baby nur draußen und litt unter viel Stress (stammt von unkastrierten Bauernkatzen), was besonders krankheitsanfällig macht (FIP). Luzifer, ein schöner, schwarzer Kater, der nie besonders offen für menschliche Zuwendungen war, hat sich beim Einschläferungstermin doch noch mit Kuscheln und Köpfchen stoßen von Doris verabschiedet und den Abschied dadurch sehr schwer gemacht. Manfred, das Kaninchen, hat noch am selben Tag Platz gemacht für einen Neuzugang.
Koks wurde spät am Abend hergebracht und weil das Geschlecht noch unklar war, erstmal in die Quarantäne gesetzt. Kurz darauf bekam sie dort einen Gefährten, Einstein, da Kaninchen gerne Artgenossen bei sich haben. Nach etwas Nervosität darüber, ob sich die beiden vertragen, hab ich sie am nächsten Tag beim Kuscheln ertappt. Fotografieren wollten sie sich dabei leider nicht lassen, das war ihnen dann doch zu peinlich. Kurze Zeit später, und nachdem feststand, dass Koks ein Mädchen ist, wurden die beiden gemeinsam mit der restlichen Hasenbande vergesellschaftet. Vorher noch mit Schnaps einschmieren, damit‘s keine Streitereien gibt und hat auch schon funktioniert. Koks treibt zwar gleich ihre Dominanz-Spielchen, aber keine ernsthaften Kämpfe.

Am vorletzten Abend steh ich schließlich alleine im Stall, weil eine der Tierpflegerinnen schon zum Zug musste. Ich weiß ja schon, was ich machen muss, es fehlt ja nur noch das Schweine füttern, Hunde füttern, dem kleinen Zwilling die Medizin geben und Müll wegtragen. Letzteres ist schnell erledigt, weil sie so kooperativ ist. Ich komme aus dem Hasenstall heraus und anscheinend hat Johanna-Rosina, eine Schweinedame, am Boden schon etwas essbares gefunden, weil ich mir mit dem Essen zu viel Zeit lasse. Sichtbar genervt davon lässt sie mich gar nicht mehr vorbei, um alle Schweine in die Boxen zu sperren, wo sie dann das Essen bekommen. Jetzt muss ich tatsächlich über 2 Wände der Boxen springen, um an der genervten Dame vorbeizukommen. Später lassen sich alle aber nett in ihre Boxen bringen und genießen das Abendessen. Schweine sind eben zivilisierter als Hunde.
Einige der Hunde bekommen Medizin, manche größere, manche kleinere Essensportionen, manche müssen daher zum Essen in die Schleusen gesperrt werden, damit jede/r den richtigen Teller bekommt. Die Hundebande am Eingang ist wesentlich ungestümer, als die anderen Hundebewohner dort. Und im ganzen Lärm und Stress soll mensch sich auch noch merken, wer welchen Teller bekommt. Wie durch ein Wunder passiert das aber sogar ganz ohne Zwischenfälle. Fehlt nur noch das Einsammeln der quer durch den Hof verschleppten Teller….
Beim Animal Liberation Workshop in Linz hatte ich noch die Möglichkeit, das Tierparadies und meine Eindrücke davon, vorzustellen. Zumindest einen sehr kleinen Ausschnitt davon. Die finanziellen Defizite zur Zeit sind beachtlich, auch alle Privatgelder werden reingesteckt, um die Versorgung aller Tiere zu garantieren. Ich bin sicher, es gibt wenige Menschen, die so aufopfernd sind, wie das Schabenreith Team!
Es gibt auch Hühner, Enten, Schwäne (die sich langsam selbst auswildern), Kampfgänse, Nandus, Rehe, Hirsch Peter, Pferde, Hängebauchschweine, Meerschweinchen, Krähen, Tauben….aus zeitlichen Gründen konnte ich nicht alle einbringen bzw fotografieren.
Mehr Fotos hier: https://www.facebook.com/schabenreith/?pnref=story






























































