Optimismus für die Gesellschaft

Nach einer Winterpause, in der viel Zeit in der Natur verbracht wurde, mit Eiskunstlauf und Schneeschuhwandern, ist es erstmal wieder schwierig, zurück in die aufreibende, körperlich und emotional anstrengende Gesellschaft zu finden. Der Einstieg kam sehr rasant, gleich gefolgt von einem Fall in den Prüfungsstress und auch in den Konflikt mit der vorherrschenden Ignoranz und Aggression.

Zwei Mal musste ich die Polizei über unangemessenen bzw. brutalen Umgang mit Tieren informieren. Ein Mann in einem Traktor transportierte in  Abtenau seinen nervös wirkenden Hund auf der Schaufel seines Traktors, was neben der Gefährdung für den Hund auch eine für entgegenkommende AutofahrerInnen darstellt. Ein genervter Fiaker schlug seine Pferde in aller Öffentlichkeit in der Salzburger Innenstadt. Keine Reaktion der anwesenden Menschen, nicht einmal entsetzte Blicke, alles völlig normal. Auch die Fiakerunternehmen wurden über das Verhalten des Wahnsinnigen informiert.

Aber in der Gesellschaft gibt es auch positive Ereignisse, wie die Antiburschenschafter Demo heute Abend. Um die 1000 Menschen nahmen an der Demo in Linz vom Bahnhof ausgehend über die Innenstadt teil. Begonnen hat es mit einer Rede, viele bekannte Gesichter aus dem Menschenrechts- und Tierrechtsbereich trafen ein, tolle Musik wurde gespielt. In Blocks, gebildet von verschiedenen Orgas und Initiativen, zogen schließlich alle los. Die Demo verlief wie erwartet friedlich, aber leider auch sehr leise, wie ich den Eindruck bekommen habe. Auf Demosprüche ist mensch zumindest im hinteren Teil der Demo kaum bis gar nicht eingestiegen, trotz der Versuche von meinem Partner und mir, und vermittelte so viel mehr den Eindruck eines gemütlichen Abendspaziergangs.

Ich kann stolz sagen, dass bei den Tierrechtsdemos, die hier und anderswo in Österreich organisiert werden, immer viel mehr überzeugende Motivation herrscht.
Nichtsdestotrotz halte ich die Antiburschiballdemo für ein wichtiges Ereignis, solange es Rechtsextremismus und den Burschiball gibt. Die Demo ist beinahe schon zur Tradition geworden, in der selbst ich mich wiederfinden kann. Deshalb waren auch einige TeilnehmerInnen aus dem Tierschutzbereich mit dabei, deren Flaggen für Menschen- und Tierrechte auch über die ganze Demo hinweg zu sehen waren.

Nachdem die Demo aufgelöst wurde, hat sich eine Gruppe von Menschen jedoch noch zusammengeschlossen, um zum Ballstandort zu gehen und angeblich Ballgäste zu stören. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht sicher, ob es zu Gewalt gekommen ist oder nicht. Ich hoffe zutiefst, dass es nicht so ist. Wir können nicht gewinnen, wenn wir versuchen, ein friedliebendes Ziel mit Gewalt umzusetzen. Mit Kreativität, Gewaltlosigkeit und viel Ausdauer können wir langfristig viel mehr erreichen.

Ein letzter Kritikpunkt, der erwähnt werden sollte, ist der Umgang mit Müll bei der Demo. Weggeworfenes Aufkleberpapier, Flyer und zertretene Dosen von DemoteilnehmerInnen waren leider sehr viele nach der Demo zu finden. Auch hier müssen wir noch eine bessere Vorbildrolle übernehmen.

Obwohl es immer viel Überwindung kostet, in den gesellschaftlichen Alltag zurückzukommen, kann ich nicht umhin, auch  viele positive Dinge und Veränderungen zu erkennen.

Auengebiet: Menschliche Spuren und natürliche Schönheit

In einem Auengebiet erhofft mensch sich natürliche Zustände, Wildnis und Ruhe. Die Traunau liegt nicht weit von meinem Wohnort. Aber als natürlichen Zufluchtsort kann ich sie kaum betrachten.
Die Traunau ist gezeichnet von einem Wasserkraftwerk, Baustellen, Industriegebieten und Anglern, die sich dort häufen. Die Ufer sind an vielen Stellen alles andere als natürlich und von dem Industriegelände weht jedem ein seltsamer Gestank entgegen. Das Hochwasser – das für ein Auengebiet typisch ist – trägt den Müll von weit her auf die Ufer, Wiesen und Sträucher. Ein bedrückender Anblick.

Aber manchmal muss mensch genauer hinsehen, um doch noch ermunterndes zu erkennen.
Es gibt noch positives Überbleibsel der Vielfalt an der Traunau. Überall in den Bäumen zwitschern auch im November verschiedene Singvögel, Wasservögel sind im Bach und in den Seen zahlreich vertreten und verschiedene Insektenarten tanzen in der Luft oder verstecken sich zwischen Blättern. Schöne Weiden zieren die Gegend und gelegentlich findet man Nagespuren von Bibern an den Bäumen.
Auch ein Eisvogel flattert manchmal zügig vorbei und lässt nur schillerndes blau erkennen. Behält mensch die tiefer gelegenen Äste über dem Wasser im Auge, könnte sogar einer dort gerade auf kleine Beute warten.  Der mir begegnete Eisvogel hatte jedoch leider eine Abneigung gegen das Fotografieren.

Zur Zeit sieht mensch dort nicht nur verschiedene Enten, die in Gruppen zusammen schwimmen, sondern auch eine ganz besondere Schwanenfamilie, bestehend aus Eltern, Kind und einem Adoptivkind, bei dem es sich um eine Hausgans handelt. Nach einiger Beobachtungszeit gab es keinen Zweifel mehr, dass sich diese Gans zu irgendeinem Zeitpunkt der Schwanenfamilie angeschlossen hat und diese sie auch akzeptieren und gerne um sich haben. Möglicher Weise ein überlebendes Martinigansl?

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Hochschulen: Gewaltlosigkeit oder Gleichgültigkeit?

Mit großen Erwartungen habe ich mich heute Morgen auf den Weg zur JKU in Linz gemacht, um bei einer Friedensaktion gemeinsam mit der Solidar-Werkstatt, teilzunehmen, bei deren Planung ich dabei war.

Vor einigen Monaten hatte ich eine Ankündigung von legalen Demonstrationen vor dem Drohnenproduzenten Aero Spy und anderen Rüstungskonzernen, per E-Mail ausgesendet, mich wegen schwerer Nötigung selbst angezeigt und wurde danach auch verhört. Zum Glück handelt es sich nun nicht bei Ankündigung legaler Aktionen um schwere Nötigung, wie auch aus dem Tierschützerprozess bekannt, der mit Freisprüchen endete. Daher konnte ich die Aktion sorgenfrei mitorganisieren. Schlussendlich aber nicht vor den Rüstungekonzernen, sondern vor der JKU, da bereits jetzt Rüstungskonzerne an Unis forschen lassen und das nicht zur Normalität werden darf. Daher haben wir eine Zivilklausel verfasst, die die Unis aufnehmen sollen. Nach dieser erklären die Unis, keinerlei Kriegsforschung zu betreiben. Dabei sollen auch StudentInnen die Chance bekommen, die Aktion mit ihrer Unterschrift zu unterstützen und noch mehr Unterschriften zu sammeln.

Die großen Erwartungen an die engagierte Jugend, insbesondere die StudentInnen, waren jedoch fehl am Platz. Fragt man sie, ob sich Hochschulen für Frieden einsetzen sollen, antworten die meisten mit „Nein, danke“ und laufen schnurstracks an der Petition vorbei.

Aber keine Aktion für Gewaltlosigkeit ist je ohne Hoffnungsschimmer, denn es gibt Menschen, die stehen bleiben und nachdenken.

Aktivismus kann enttäuschend sein, muss aber nicht demotivieren. Wenn die restlichen Menschen, die sich für Gewaltlosigkeit – was alle Tiere (inkl Menschen) umfasst – einsetzen, aufgeben, wäre wirklich alles verloren.

veganer Gesundheitstag

Der vegane Stand am Gesundheitstag in Leonding (am 14.September) ist im Vergleich zum Vorjahr sogar noch positiver verlaufen.

Aufgrund des Regens scheuten zwar viele Menschen vor die Tür zu gehen, weswegen auch am Gesundheitstag weniger BesucherInnen waren, als im Vorjahr, aber diejenigen Menschen, die sich nicht vor Regen fürchten, standen dem Thema Veganismus und Tierrechte zumeist sehr offen gegenüber.

Während ich letztes Jahr beobachtet habe, wie einige Eltern und Großeltern ihren Kindern und EnkelInnen verboten haben zu dem veganen Stand zu gehen, weil die Veganer nur darauf warten, Kinder in ihre Sekte zu locken, habe ich am vergangenen Gesundheitstag hauptsächlich unvoreingenommene Menschen erlebt.
Auch die wenigen Menschen konnten mit ihrem Appetit auf vegane Naschereien und gesunde Brötchen das große Buffet leeren.

Der einzig nicht gesundheitsorientierte Teil an der Veranstaltung war der Speck und Wurst Stand auf dem Stadtplatz, der weitaus nicht so gut besucht war.
Ein paar Eindrücke vom veganen Stand am Gesundheitstag 2014:
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Natur besitzen

Bald beginnt im Salzkammergut wieder die Singvogelfangsaison – Mitte September. Leider wollen Menschen allgemein gerne besitzen. Nicht nur Dinge, sondern auch Tiere. Anstatt unsere Mitlebewesen zu verstehen, werden diese Tiere gefangen, nur um ausgestellt zu werden. (Wer dabei den größten Vogel hat, gewinnt einen Preis) Die Schönheit unserer Wälder und Vogelwelt kann nicht eingefangen werden. Ein eingesperrter Singvogel singt nicht auf die gleiche Weise und ist ein trauriger Anblick. Würde man versuchen, das Verhalten und die Gefühle von Vögeln zu verstehen, wäre es für jeden Menschen zweifellos klar, wie gestresst und depressiv Vögel in Käfigen sind. Den früheren Nutzen des Singvogelfangs, nämlich, die Vögel zu essen, gibt es schon lange nicht mehr. Aber es gibt in Österreich oft das Verlangen, an früheren Notwendigkeiten festzuhalten, obwohl sie lange schon nicht mehr notwendig sind.

Anstatt Gewalt können wir aber auch Geduld zeigen, sie nicht aus ihrem zu Hause reißen und beobachten.

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(Quellen der Singvogelfangbilder: medienfreedom.at und vgt.at)

Welcher Anblick ist schöner?

Kämpfen oder Aussteigen?

Wir leben in einem System, in dem die Mehrheit bestimmt, aber auch mit einer Mehrheit, die sich nicht aktiv an Entscheidungen und an Verantwortung beteiligen will. Für die sinkenden Wahlbeteiligung schieben sich BürgerInnen und PolitikerInnen gegenseitig sie Schuld in die Schuhe – entweder ist es Gleichgültigkeit, Verlust an Vertrauen oder vielleicht beides. Zwischen verschiedenen Übeln wählen ist – anders als oft vermutet – aber nicht die einzige und nicht einmal die wichtigste Art der Beteiligung, sondern offensichtlich in vielen Fällen eine Rechtfertigung, während der wahlfreien Zeit jegliches Verantwortungsbewusstsein abzustellen. Der Vertrauensverlust alleine erklärt nicht, weshalb es von der Mehrheit kein Bestreben gibt, etwas in die eigenen Hände zu nehmen. Davon würde Mensch das genaue Gegenteil erwarten, nämlich aufblühende Protest- und Friedensbewegungen. Diese werden aber nach wie vor am Rande gehalten und rücken nie anhaltend ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Rund die Hälfte der ÖsterreicherInnen ist laut einer Umfrage unzufrieden mit der Regierung und den PolitikerInnen, aber 60% glauben, einen Einfluss auf das politische Geschehen zu haben (Rohrer Anneliese 2011, S19). Das ist sehr überraschend, da diese 60% annähernd unsichtbar sind und die Möglichkeit, die sie anscheinend erkennen, nicht wahrnehmen (wollen). Es wird offenbar gleichzeitig auch die Meinung vertreten, dass Menschen, die sich engagieren nicht zu den normalen Menschen gehören. Ihr Bestreben wird nicht ernst genommen und der Begriff „Gutmensch“ wird als Schimpfwort verstanden. Anneliese Rohrer erwähnt in ihrem Buch „Ende des Gehorsams“, dass so eine Spirale entsteht, da sich Menschen nur für ihr Anliegen einsetzen wollen, wenn es bereits von der Mehrheit unterstützt wird. Auf diese Weise wird aber eine Mehrheit nie erreicht. Die, die es doch wagen, sich für ihr Ziel zu engagieren, werden als dauerhafte Minderheit in die Lade des Gutmenschen beiseitegeschoben.

Das ständige Warten auf die Mehrheit, der mensch sich anschließen kann, stärkt aber die politische Apathie. So öffnet sich eine gefährliche Möglichkeit, um Demokratie einzuschränken. Wenn niemensch oder nur sehr wenige von der Möglichkeit der Einmischung Gebrauch macht, können PolitikerInnen unauffällig diese Möglichkeiten der direkten Demokratie weiter einschränken, ohne, dass es der Mehrheit auffällt. Gerne wird die Bedrohung für die Demokratie als ein Problem gesehen, das uns von außen bedroht, tatsächlich kommt die Gefahr von innen, also von den achtlosen BürgerInnen. (Rohrer, 2011)

Die wenigen, die sich jetzt für Menschenrechte, Demokratie, Friedenspolitik, aber auch Umweltschutz und Tierrechte und andere wichtige Ziele einsetzen, bekommen erfahrungsgemäß häufig das Verlangen, aus diesem System auszusteigen und fern ab der realitätsfernen und achtlosen Gesellschaft zu leben. Oft sind das auch Menschen, die bereits Erfahrungen als AktivistInnen haben und enttäuscht von den Aktivitäten zurückgetreten sind. Enttäuscht, weil Menschen auf der Straße oft nicht nur gleichgültig, sondern auch abweisend auf die selbstverständlichsten Ziele reagieren. Das Leid von Tieren wird oftmals ausgelacht, Ziele, wie das Beenden eines Krieges und aller Kriege werden zurückgewiesen, weil „Kriege sind notwendig“ (ein Zitat von einem Passanten bei der Langen nach des Friedens von der Solidarwerkstatt), Kinderarbeit wird begrüßt, damit „die was zu tun haben“ (Ein Zitat eines Passanten zu einer Aktion über die Kriminalisierung von zivilem Engagement), Flyer werden in den nächsten Mistkübel geworfen (…). Nach solchen Erlebnissen mit PassantInnen vergessen wir, dass es auch positive Erfahrungen gegeben hat.

Eine sinnvolle Form des Aktivismus, ohne andauernd im direkten Konflikt mit den Menschen auf der Straße zu sein, ist es, selbst als gutes Beispiel voranzugehen. Im Alltag Menschen und Tieren Mitgefühl zeigen, Nahrungsmittel so gut es geht selbst anbauen oder auch Dumpstern gehen, um auf Geld zumindest teilweise verzichten zu können und andere Möglichkeiten. Wer aber als gutes Beispiel vorangehen will, kann sich nicht völlig aus der Gesellschaft ausklinken, sondern muss im Kontakt und teilweise auch im Konflikt mit ihr bleiben. Wir haben eine Verantwortung gegenüber uns selbst, aber auch gegenüber den Konsequenzen unseres Handelns. Um positive Folgen zu erkennen, müssen wir andere wissen lassen, wie mensch noch leben kann, ohne Mitlebewesen zu schaden oder zumindest so wenig, wie möglich. Um andere zu informieren und zu motivieren, können wir uns nicht isolieren. Es ist zwar unzweifelhaft möglich, alleine für sich selbst glücklich zu sein, aber wenn mensch eine Veränderung in der Welt sehen will, sind mehr Menschen dazu notwendig. Wir können mit der Situation in der wir uns gegenwärtig befinden positiv umgehen, da es nicht über Nacht geändert werden kann – langfristig schon. Unangenehmen Mitmenschen wird mensch dabei immer begegnen. Der (gewaltfreie) Konflikt lässt sich nicht völlig vermeiden und ist notwendig, um zum Nachdenken anzuregen und aus der Gleichgültigkeit aufzuwecken. Wir haben die relative Freiheit hier als Vorteil und daher nicht nur die Wahl zwischen mehreren Übeln an wenigen Tagen im Jahr, sondern können mehr mitgestalten, als wir uns zutrauen.